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Ost-Afrika im Aufstieg / von Prosper Müllendorff
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gegenwärtig angeblich noch mit einem Drittel oder Viertel höher be­zahlt wird, weil einzelne Fabrikanten glauben, für gewisse medizinische Gegenstände ausschließsich Para verwenden zu müssen. Solche Be' denken find in den Beziehungen der Kolonialwirtschaft zur Industrie schon mehrfach überwunden worden. Wie nun auch die Entschei­dung über die Aufbereitung des ostafrikanischen Pflanzungskautschuks ausfällt, man kann mit Sicherheit annehmen, daß die Manihotkultur, die vielfach als mißlungen betrachtet wurde, demnächst dank der An­wendung richtiger Methoden bei der Aufbereitung aus den Kinder­schuhen herauskommen wird.

Dritter Abschnitt.

Hanf und Baumwolle.

Die Sisalagave, Ersatz für Manilahanf. Aufbereitung. Die Neu- Corona. Die Lage des Weltmarktes. Neue Verwendungsarten für Lanf. Die Sanseviera. Ihr Verbreitungsgebiet. Die Sanseviera-Fabrik" in Voi. Die Baumwolle. Deutschlands Bedarf. Ostafrikas Leistung. Einfluß des Regens auf die Produktion. Zeit der Aussaat. Die Saat. Eingebornenkulturen. Aufbereitung. Caravonicabaumwolle. Vor­schnelle Arteile. Großkulturen.

Obenan in der Wirtschaft Deutsch-Ostafrikas steht die Kultur und die Aufbereitung der Sisalagave. Nach dem amtlichen Jahres­bericht betrug der Bestand an Sisalagaven vor einem Jahre in den Bezirken Pangani 5^ Millionen aus 2495 ka, Tangs 12 Millionen auf 5910 tia, Wilhelmstal 2 Millionen auf 650 da und Lindi 41/2 Millionen auf 1300 im, zusammen 24 Millionen auf 10355 ba; der gegenwärtige Bestand ist jedoch viel höher, denn allein in den Südbezirken Lindi und Kilwa hat die Ostafrika-Kompagnie schon drei und die Gesellschaft Südküste über drei Millionen Pflanzen stehen. Es sind kaum zwölf Jahre her, daß auf Anregung Dr. Richard Lindorss mit dem Anbau begonnen wurde; von 2000 Schöß­lingen, die damals aus Brrcatan ws Land gebracht wurden, waren zur 72 angegangen, und von diesen stammen die jetzigen reichen Bestände. Schon 1902 hatte die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft aus ihren Pflanzungen 80 000 schnittfähige Agaven; dieser Amstand wurde damals in der Budgetkommission des Reichstags zugunsten der