Sechster Abschnitt.
Deutsche Arbeit am Viktoria-See.
Bukoba. — Zum Sultan Mutahangarua. — Festlicher Empfang — Staatsbesuche. — Läuptlinge als Pflanzer — Landfcrt'gkeit, Gesittung und Manieren. — Kriegstänze. — Machtfragen. — Telegraph. — Seidenraupen — Einfahrt von Muansa. - Eine Landels- und Derwaltungszcntrale. — Kulturen und Sammeltätigkeit der Eingeborenen. — Erdnüsse. — Reis. — Baumwolle. — Kautschuk. — Wachs. - Läute. — Die Zukunft des Platzes. — Schirati. — Abschied vom See.
Das «rechte afrikanische Leben konnte die Reisegesellschaft der Kölner Landels-Lochschule nach der Landung in Bukoba beobachten, wo sie zum ersten Male deutschen kolonialen Boden betrat. And da sie somit Afrika von innen heraus kennen lernte, war es gut, daß es sich ihr gleich in seiner alten Wildheit darbot.
Wir dampften gegen Abend an der Insel Busira vorbei, einer der Toteninseln, die an der Ostküste Afrikas wie auch hier im See als Begräbnisplätze dienen, und warfen Anker ziemlich weit vor dem Platz Bukoba, der sich nur wenige Meter über dem See erhebt. Von steilen Löhen umrandet, von denen mehrere Bäche herabsließen, ist ihm im Tale nur ein mäßiger Raum geblieben, genug jedoch, um sich neben einer starken Eingeborenensiedelung, welche die fruchtbaren Länge der Lügel ausnutzt, soweit zu entwickeln, daß neben der Boma die europäische Betätigung auch noch durch die weite Versuchspflanzung des Küllerschen Seidenraupensyndikats und einige italienische Landelsfaktoreien Raum sinken. Die Landung ist schwierig und kann nur nach Ausbooten, an einem einfachen Dammbau geschehen, bei Seegang, wie wir ihn hatten, nicht ohne Ange- mächlichkeit. Es fragt sich daher auch, ob die Station dauernd dort bleiben oder nach der etwas südlicher gelegenen, bequemeren Maschokero- Bucht verlegt werden muß. Die Boma ist um einen weiten Los angelegt. Dort sammelten wir uns am Morgen zu einem Ausflug zu Fuß, und soweit Reittiere vorhanden waren, beritten, nach Gera, dem Sitze des Sultans Mutahangarua, drei Wegstunden von Bukoba. Der Bezirk steht zwar unter Zivilverwaltung, aber in der Form der Residentur, wie auch das dahinter liegende Gebiet