I.
Das Mississippital.
Für den Historiker wird die allerdings mit den geographischen Tatsachen nicht ganz übereinstimmende Auffassung des nordamerikanischen Kontinentes als eines großen, zwischen zwei Gebirgszügen eingesenkten Tales immer ihre anziehende Kraft behalten 1 ). Der aus ihr sich ergebenden Dreiteilung des Erdteiles entsprechen die großen Epochen seiner bisherigen Geschichte, deren erste mit der Entdeckung und Okkupation dieser drei Gebiete durch europäische Mächte im 16. und 17. . Jahrhundert zusammenfällt. Spanien nahm den Westen, England den Osten in Besitz, während Frankreich vom St. Lorenzstrome aus in das „große Tal" zwischen den Alleghanies und den Rocky Mountains eindrang, nicht ohne auf die Gegnerschaft der beiden anderen Mächte zu stoßen. Die zweite Epoche, die das 18. Jahrhundert umfaßt, wird von den Kämpfen um den Besitz des weiten Mississippibeckens erfüllt, bis zuletzt die englischen Kolonien nach erkämpfter Selbständigkeit dieses Gebiet gewinnen und im 19. Jahrhundert ihre Herrschaft auch über den Westen bis an den pazifischen Ozean ausbreiten.
Obgleich so das Interior Valley of North America berufen war, in einer höheren geschichtlichen Einheit aufzugehen, so hat es doch seine historische und kulturelle Individualität des-
1) Vgl. Tocqueville: La demooratie en Amerique. Cap. 1, dazu Eatzel I S. 41 ff. und II S. 120. Die genaueren Titel der von uns benutzten Werke s. im Litteraturnachweis.
Franz, Kolonisation. 1