Teil eines Werkes 
Teil 1 (1909) Die Karte / mit einem Beitr. von Bernhard Struck
Entstehung
Seite
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Kapitel VIII.

Die Namen der Karte.

Von Bernhard Struck.

Die Aufforderung meines Freundes, Professors C. Uhlig, eine orthographische - und sprachliche Bearbeitung des Namenmaterials für seine I : 150 OOO- Karte der Ostafrikanischen Bruchstufe vorzunehmen, erfüllte mich anfangs mit ziemlich gemischten Ge­fühlen. Aus früheren Veröffentlichungen über jene Gegend, kartographischer wie beschreibender Art, waren mir die zahlreichen kaum zu entwirrenden Unsicherheiten und zu Mißverständnissen führenden unzulänglichen Schreibungen der geographischen Nomenklatur nur zu bekannt. Jedoch ließ schon eine beschleunigte Durchsicht des von Uhligs Ex­pedition mitgebrachten Namenmaterials erkennen, daß bei dessen Aufnahme, zwar gleichfalls von linguistisch nicht besonders vorgebildeten Sammlern, doch sorgfältiger und vorsichtiger verfahren worden war. Einen großen Teil der Namen hat ferner Uhlig gemeinsam mit einem der ganz wenigen Europäer, die die im vorliegenden Gebiet hauptsächlich in Betracht kommende Sprache der Masai wenigstens für den praktischen Gebrauch hinreichend 'be­herrschen, nämlich dem mehrfach erwähnten Feld­webel Bast, besonders durchgesprochen und in andern Fällen von demselben schriftlich Erkundi­gungen eingezogen. Die Beschaffenheit der von den verschiedenen Seiten herrührenden Materialien ist aus der im zweiten Abschnitt dieses Kapitels ge- ; gebenen Namenliste deutlich zu erkennen. Die im Vergleich zur Nomenklatur beispielsweise anderer Teile Ostafrikas oft sehr bedeutenden Abweichungen der einzelnen Niederschriften erklären sich aus der besonderen Schwierigkeit, die der phonetischen Auf- ; fassung der einzelnen Laute der Masaisprache wie auch der ganzen Rede selbst seitens eines unge- j schulten Beobachters entgegensteht. Die vielen Vokal- j Vertauschungen namentlich erklären sich aus der im Masai so häufigen Kehlkopfpressung, deren unge- ! wohnten Klang wir als Mundhöhlenveränderung auf­zufassen nur zu geneigt sind. In Westafrika habe ich gleiches nur bei den Fulbe und in Bagirmi | gefunden. Auch die Wortgruppen und kürzeren Perioden werden mit nahezu völliger Unterdrückung kurzer Silben, im An- und Auslaut scharf abgerissen, 1 )

*) Hier sind die Phonogramme 1, 24, 27,41, 42, 57, 65 und 87 der Meinhofschen Sammlung im Phonogramm-Archiv des Psychologischen Instituts der Universität Berlin sehr instruktiv.

geradezu hervorgeschleudert, so daß auch gänzlich

mißglückte Beispiele von Namensniederschriften

mildere Beurteilung verdienen. Unter diesen Um­ständen war die Notwendigkeit kritischer Bearbeitung bald einzusehen. Ich habe mich daher bemüht, das gesamte Namenmaterial in eine sowohl für den praktischen Gebrauch an Ort und Stelle angemessene als auch wissenschaftlich genügende Schreibung zu verarbeiten, und im Zusammenhänge damit einiges über die Bedeutung und Herkunft dieser Namen zu ermitteln.

a. Die Schreibweise.

Es konnte nicht meine Aufgabe sein, hier ein Problem, an dessen Lösung geographische Gesell­schaften und Kongresse wie Kolonialregierungen in gleicher Weise und mit dem gleichen Halberfolg gearbeitet haben, wieder aufzurollen. Andrerseits hat die Erfahrung gelehrt, daß auch die gegenwärtig für die deutschen Schutzgebiete amtliche Schreibweise 1 ) nicht den Erwartungen entspricht, die man von ihr hegte, allerdings billigerweise wenigstens ist dies jedem, der sich ernsthaft mit den Lautverhältnissen unserer kolonialen Eingeborenensprachen befaßte, von vornherein klar gewesen gar nicht hätte hegen dürfen. Ich habe damit die prinzipielle Ver­schiedenheit meines Ausgangspunktes schon ange­deutet, und will ihn durch Gegenüberstellung der bisher zur Beantwortung der orthographischen Frage eingeschlagenen Methoden weiter präzisieren.

Methoden nationaler und internationaler Schreibweise.

Dieselben weisen offenbar zwei ganz verschiedene Verfahren auf. Man gibt entweder die Laute der Eingeborenensprachen ausschließlich durch Buch­staben der heimischen Orthographie wieder, oder man entlehnt für fremde Laute oder auch nur zwecks Vereinfachung der eigenen Schriftzeichen bestimmte Buchstaben anderer lateinischer Alphabete und er-

x ) Wie E. Dinkelacker (Danckelmans Mitteil. XV, 1 77 ) richtig bemerkt, besteht dieselbe im eigentlichen Sinn ja nur für wenige, wichtigere Namen, die für unser Gebiet nicht in Betracht kommen. Ähnlich L. Sevin-Desplaces, Lörtho- graphie des noms africains; Rev. de Geogr. 1893, 45045^-