Teil eines Werkes 
Teil 1 (1909) Die Karte / mit einem Beitr. von Bernhard Struck
Entstehung
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Einleitung

Verlauf der Expedition.

Meine dritte größere Reise in das Innere Ost­afrikas dauerte von Anfang Juni bis Mitte Dezember 1904. Ihren äußeren Verlauf und einige ihrer Er­gebnisse habe ich im Februar 1907 in einem Vor­trag der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin mit­geteilt. 1 ) Ich verweise ausdrücklich auf diese Quelle, aus der ich hier nur weniges hervorhebe.

Was ich über den Großen Ostafrikanischen Graben in seinem Verlauf von der Landschaft Afar, südöstlich des abessinischen Hochlandes, bis etwa i° s. Br. gelesen und gehört hatte, erweckte in mir den lebhaften Wunsch, seine südliche Fortsetzung auf deutsch-ostafrikanischem Boden und die Natur der vulkanischen Bildungen und Erscheinungen, die dort tätig waren und noch am Werke sind, zu unter­suchen. Dank der Unterstützung durch den Ver­lagsbuchhändler Otto Winter, Stadtrat in Heidelberg, kam die Expedition zustande. Mit der Erlaubnis der damaligen Kolonialabteilung des Aus­wärtigen Amtes führte ich sie im Verlauf meiner zweiten ostafrikanischen Dienstperiode aus. Mit­glieder der Expedition waren Dr. Fritz Jaeger, jetzt Privatdozent der Geographie in Heidelberg, der sich an den wissenschaftlichen Arbeiten überall beteiligte, und für die erste Hälfte der Reise Theo­dor G u n z e r t , damals Bezirksrichter, heute Be­zirksamtmann von Muansa und Regierungsrat, der seinen praktischen Sinn bei vielen Angelegenheiten der Expeditionstechnik bewährte. Die von ihm auf­genommenen Routen fallen nicht in das hier be­sprochene Gebiet. Dagegen werde ich des Berichts zu gedenken haben, den er mir über seine Reise von Sonjo, wo er sich von der Expedition trennte, nach Nairobi an der britischen Ugandabahn schrieb. Feldwebel Bast begleitete mit einer Abteilung Askari die Expedition während drei Wochen. Er

9 In erweiterter Form in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1908, S. 75 bis 94.

Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten, Ergänzungsheft 2.

nahm in der Folge mehrere Routen auf, die eine wertvolle Ergänzung unserer Feststellungen bil­deten ; dabei sammelte er auch einige Gesteins­proben. Wo ich im folgenden auf seinen Angaben fuße, bemerke ich das ausdrücklich.

Arbeitsteilung während der Expedition.

Was Jaeger und ich gearbeitet halfen, ist häufig nicht scharf zu trennen. Bei mancherlei Be­obachtungen habe ich ihn angeleitet, manche haben wir gemeinsam durchgeführt, viele hat er ganz selb­ständig vorgenommen. In dem hier bearbeiteten Gebiet haben wir meist einen um den anderen Tag abgewechselt. Heute arbeitete der eine mit Kompaß, Aneroiden und Routenbuch, der andere sammelte Gesteinsproben und Pflanzen. Tags darauf tausch­ten wir die Rollen. Die botanische Arbeit fiel Jaeger zur größeren Hälfte zu; dafür habe ich mit zwei Ausnahmen sämtliche Photographien, etwa 450, aufgenommen und sie alle auf der Reise ent­wickelt. Die meteorologischen Beobachtungen hat bald er, bald ich gemacht.

Ich weiß wohl, daß eine derartige Arbeitsteilung nur in seltenen Fällen technisch möglich sein kann. Auch ist sie nur denkbar bei ganz ungetrübtem Ein­vernehmen der Reisegefährten. Wo, abgesehen vom topographischen und meteorologischen Ma­terial, eine Feststellung von J a e g e r herrührt, habe ich das im folgenden jeweils besonders erwähnt, ebenso da, wo ich bei der Verarbeitung der Beob­achtungen seinen Ideen folge oder auch in Punkten, die mir wichtig scheinen, anderer Meinung bin als er.

Bearbeitung des gesammelten Materials.

Gestützt auf seine Erfahrungen, die er bei der Verarbeitung älteren aus Deutsch-Ostafrika stam­menden Materials, unter dem sich das meiner ersten Expedition zum Kilimandjaro und Meru befand, ge-