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Kapitel VI.
Die Berechnung der Koordinaten der Karte und Koordinaten-Verzeichnis.
a. ip und A.
Deutsche und britische Koordinaten.
Uber die Herkunft des Materials für Breiten und Längen ist im Kapitel IV. berichtet. Die von deutscher Seite veröffentlichten 1 ) Zahlen der Koordinaten längs der Landesgrenze weichen von den britischen Angaben 2 ) nicht unwesentlich ab, besonders sind die deutschen Werte der östlichen Länge X im Durchschnitt um rund io" größer als die britischen. In der Hauptsache rührt dieser Unterschied davon her, daß, nachdem in gemeinsamer Arbeit die Grenzvermessung geodätisch an Zanzibar angeschlossen war, die Engländer die Koordinaten des Festlandes auf die astronomisch ermittelten von Zanzibar zurückführten, was man deutscherseits unterließ. 3 ) Ein weiterer Grund der Differenzen ist der, daß die deutschen Berechnungen ebenso wie die vorläufigen britischen auf den Besselschen Zahlen für das Sphäroid beruhen, während bei der cndgiltigen Berechnung der Engländer die C 1 a r k e s c h e n Werte benutzt wurden. Nach Kohlschiitters Ansicht 4 ) sind diese letzteren für das in Betracht kommende Gebiet in besserer Übereinstimmung mit den Dimensionen des Sphä-
J ) Professor Dr. L. Ambronn, Bericht über die astronomischen und geodätischen Arbeiten, welche zur Festlegung der Grenze Deutsch-Ostafrikas gegenüber dem Kongostaat und Britisch-Ostafrika von Seiten der deutschen Kommissare in den Jahren 1902 bis 1905 ausgeführt worden sind. Bearbeitet und zusammengestellt nach den Berichten der Expeditionsführer. Danckelmans Mitteilungen, Bd. 20, 1907, S. 165 bis 223. Siehe besonders die Anmerkung auf S. 201 sowie S. 203/4.
2 ) Vorläufige Koordinaten in Cpt. G. E. Smith, From the Victoria Nyanza to Kilimanjaro. Im Märzheft 1907, Bd. 29 des Gcographical Journal. Endgiltige Koordinaten gibt: Positions, Azimuts and Length of Sides of the Anglo German Boundary Commission Triangulation (1902 bis 1906) from Zanzibar to Mount Ruwenzori. London. War Office. August 1907. — Die letztere Liste enthält viele Punkte der ersteren nicht. Außerdem erschien noch eine dritte Liste der Koordinaten, beigedruckt auf der erwähnten Karte des Grenzstreifens im Juliheft 1907, Bd. 30 des Geographical Journal. Ihre Werte weichen von denen der „Positions, Azimuts usw.“ ein wenig ab. Ich habe sie als ebenfalls „vorläufig“ nicht berücksichtigt.
3 ) X ist durch Zeitübertragung Kapstadt—Zanzibar—Aden ermittelt und soll nach Ambronn, a. a. O., S. 197, sehr unsicher sein. Trotzdem wird man gut tun, die Längen auf Zanzibar zu reduzieren. Denn die Längen der Grenze hingen schon, bevor der geodätische Anschluß ausgeführt wurde,, durch die beiden Zeitübertragungen Mombasa—Tort Florence und die ältere Mombasa—Zanzibar sämtlich von der Länge des letzteren Ortes ab. Kohlschütter hat mich auch hierauf aufmerksam gemacht.
4 ) Nach mündlicher Mitteilung.
toids. Ich habe deshalb die endgültigen britischen Koordinaten der Karte zugrunde gelegt. In denjenigen Fällen, wo von mir benutzte Punkte nur von deutscher Seite bestimmt waren, wurden sie so umgerechnet, daß die relative Lage der Punkte zueinander möglichst unverändert blieb. Ebenso wurden diejenigen Punkte, die nur in der vorläufigen britischen Liste vorhanden waren, mit Korrekturen versehen, die sich aus dem Vergleich der vorläufig mit den endgültig berechneten Werten ein und derselben Punkte ergaben. Die danach an den vorläufigen britischen Werteil anzubringenden Korrekturen betrugen im Durchschnitt etwa in p -f o".$ und in X ~h 2 "- 1 - Auf die Änderung der Höhen gehe ich weiter unten ein.
Aus den Koordinaten des Dreiecksnetzes der Grenze habe ich die Ergebnisse einer Anzahl von Peilungen berechnet, die die Grenzkommission nach weiter südwärts, annähernd unter 36° ö. L. gelegenen Punkten vornahm. Auf diese Weise erhielt ich z. B. p und X des Oldoinjo Lengai und des Gelei, ebenso die Lage einiger Punkte unserer Route, die durch Peilungen an nördliche, festliegende Punkte angeschlossen waren. Das gleiche hat, wie ich schon erwähnte, Kohlschütter für eine größere Zahl von Punkten unserer Route getan, wie das aus dem folgenden Verzeichnis hervorgeht.
Auf Grund des Beobachtungsmaterials des Oberleutnants S c h w a r t z für die im vorigen Kapitel erwähnten Punkte am Kilimandjaro und am Meru, sowie aus meinen Dreiecksmessungen am Meru, habe ich p und X für einige Dutzende von Punkten berechnet, die auch den Südosten der hier beigegebenen Karte festlegen. Die Sch wartzschen Punkte hat Professor Dr. L. Ambronn auch seinerseits rechnerisch ermittelt. Unsere Ergebnisse stimmen völlig überein. Auch meine Breiten- und Zeitbestimmungen hat A m bron 11 giitigst berechnet.
Ausgleichung der Koordinaten.
Von den Punkten, die den Südosten, und denjenigen, die den Südwesten unserer Karte genau festlegen, waren Beobachtungen nach dritten gemeinsamen Punkten hin vorgenommen worden. Solch letztere Punkte waren z. B. der Oldoinjo Kisale, der Burko, der Tarosero; ja selbst der Meru, der schon östlich des Rahmens unserer Karte liegt, war auch in Dreiecken enthalten, die weit im Westen wurzelten. Für diese Grenzpunkte ergaben sich Unstimmigkeiten. p und besonders X fielen in der Berechnung von Osten her anders aus, als in der von
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