— 52 —
porte eignet; es findet dann gewöhnlich, ein Umladen der Lasten statt. Abessinien ist berühmt durch seine bedeutende Maultierzucht, welche in dem Lande leicht gelingt, weil einmal der einheimische Pferdeschlag nicht sehr gross ist, und die Abneigung des Pferdes gegen den Esel dadurch vermindert wird, dass beide von Jugend an zusammen aufgezogen werden. Im äussersten Osten Afrikas, auf der Somalihalbinsel, ist der Esel weniger Lasttier, da in den dortigen Steppen gebieten das Kamel für den Transport bessere Leistungen in Aussicht stellt.
Der Esel geht ferner durch den ganzen östlichen und westlichen Sudan und Senegambien als Transportmittel; freilich wird seine Zucht im Innern Afrikas meist sehr vernachlässigt. Der Esel des Ostsudan steht dem ägyptischen in jeder Hinsicht nach. Er ist kleiner, schwächlicher, dem Sudanesen aber ein sehr teuerer Gegenstand, obgleich er ihn oft verhungern oder sich selbst Futter suchen lässt. Die Sudanesen stehen im Verkehr mit Aegypten und anderer ihrer Nachbarstaaten. So ziehen sie nach Chartuni auf den Markt mit Kürbisfiaschen, die mit Butter gefüllt sind, und auch mit Brennholz x ), als Transportmittel dienen ihnen hierbei die Esel. In den Haussaländern bringen die Bewohner ihre Produkte, getrocknete Fische, Gewänder und Leder von Kano und hauptsächlich Kolanüsse auf den Markt. In der Umgebung von Tim- buktu sind Esel weit verbreitet. Diese Tiere sind gross, von graugelber Farbe, ausdauernd und anspruchslos in Bezug auf Nahrung, kurz in jeder Beziehung nützlich und wertvoll.
4. Das Pferd.
In Deutsch-Südwestafrika konnte bis vor wenigen Jahren von einer Pferdezucht nicht die Rede sein. Heute ist das Pferd im ganzen Lande verbreitet, wenn auch noch nicht in grosser Zahl. Es ist ebenso wie der Esel vor langer Zeit von der Kapkolonie eingeführt worden, neuerdings haben auch einige Einfuhren von
1) Brehms Reiseskizzen nus Nord- und Zentralafrika.