I. Kapitel,
Die Tierkrankheiten unserer Schutzgebiete.
Bei der Verwertung von tierischen Kräften zum Transporte ist allerdings zu berücksichtigen, dass wir, gleichwie in anderen Gebieten Afrikas, auch in unseren Kolonien mit Viehseuchen zu kämpfen haben, welche die Unterhaltung eines Viehbestandes sehr erschweren, wenn nicht gar überhaupt ausschliessen, nämlich mit der Surra oder Tsetsekrankheit, dem Texasfieber und schliesslich der Rinderpest. Es ist vielleicht angezeigt, an dieser Stelle eine kurze Zusammenstellung der wichtigsten Daten über das Wesen dieser Krankheiten, ihre Verbreitung und die Aussichten für ihre Bekämpfung zu machen.
Die Surra oder Tsetsekrankheit 1 ) wird verursacht durch einen tierischen Parasiten, welcher der niedrigsten Klasse des Tierreiches, den Protozoen, angehört, nämlich das Trypanosoma Brucei. Die Uebertragung der Krankheitsstoffe von einem Tier zum anderen geschieht durch eine stechende Insektenart. Von diesen gefürchteten Vermittern der Surra, die zur Gattung Glossina gehören, verdient in erster Linie die Tsetsefliege, Glemorsitans, erwähnt zu werden, welche, soweit bis jetzt bekannt, nur in Afrika vorkommt. Schon den ältesten Nachrichten zufolge soll dieses schädliche Insekt auf schmale Striche innerhalb einer Landschaft beschränkt sein, die man in der Nacht ohne Gefährdung seiner Zug- und Reittiere durchschreiten könne.
1) Vergl. hierzu Dr. Sander „Die geogr. Verbreitung einiger tierischer Schädlinge unserer kolonialen Landwirtschaft und die Bedingungen ihres Vorkommens", S. 56. Dieser Arbeit sind die Hauptdaten entnommen.