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Mutterlande, sondern möglichste Steigerung der wirtschaftlichen Produktion muß das Ziel unserer Kolonialpolitik sein. Wir dürfen uns nicht durch laute Phrasen verleiten lassen, eine Politik, die dem Mutterlande möglichst viele Bürger in der Heimat erhält, als nicht national zu brandmarken; wir dürfen uns aber auch nicht durch einseitige handelspolitische Betrachtungen über die Natur unserer kolonialen Aufgaben täuschen.
IX.
Kolonien stellen wichtige Absatzmärkte dar, die, wenn es sich um Mischkolonien oder um Eingeborenenkolonien handelt, selten eine weitgehende Selbstregierung besitzen und daher gar nicht die Mittel haben, sich durch eine industriezüchtende Handelspolitik gegen das Mutterland abzusperren. Man darf aber daraus nicht folgern, daß nun das Mutterland dies benutzen und den Kolonien ein Zollsystem aufdrängen müßte, das deren Absatz der mutterländischen Industrie ausliefert. Eine solche Politik würde nicht nur gewissen internationalen Abmachungen zuwiderlaufen und große Erbitterung in den Kolonien auslösen, sie verkennt vollkommen die wahre handelspolitische Bedeutung der in Frage stehenden Gebiete. Die deutschen Kolonien bieten heute einen nicht unbeträchtlichen Absatzmarkt für deutsche Produktion; sie beschäftigen dadurch Kapital und Arbeit in der Heimat. Wenngleich ihr Anteil an der deutschen Ausfuhr prozentual noch gering ist, so ist er doch in dauerndem Wachsen begriffen. Diese Aufnahmefähigkeit ist jedoch in gewissem Sinne heute noch eine künstliche. Sie wird zum großen Teil nicht durch die Kaufkraft der Kolonien oder ihrer Bewohner bedingt, sie ist das Ergebnis der Vorschüsse, die Reichsregierung, Kolonialregierung und