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Die Neugestaltung unserer kolonialen Aufgaben : Festrede, gehalten ... den 7. März 1911 / von M. J. Bonn
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ansäßigen Wirten 5 ). Es ist also erst ein ganz geringer Teil der gewaltigen Gebiete für eine energische Wirtschaft gewonnen worden. Abgesehen von Südwestafrika harren fast 1800 000 Quadratkilometer noch einer intensiven Be­bauung. Es mögen sich darunter große Flächen finden, die wirtschaftlich kaum nutzbar sind. Ein anderer Teil ist in den Händen von Eingeborenen. Für eine Steigerung der Produktion ist überall Raum vorhanden. Wie sich vielerorts gezeigt hat, ist die Eingeborenenbevölkerung unter entsprechenden Umständen einer intensiven wirt­schaftlichen Tätigkeit durchaus nicht abgeneigt; sie ist aber im großen ganzen sehr dünn. Sieht man von Südwest­afrika ab, wo einschließlich der Weißen nur 1 Person auf 10 Quadratkilometer kommt, so ergibt sich für Kamerun eine Bevölkerungsdichtigkeit von 5 Personen, für Ost­afrika eine solche von 10 Personen, für Togo eine solche von 11 Personen auf den Quadratkilometer. Die gesamte Bevölkerung unserer Kolonien beträgt noch nicht 14 Mil­lionen ; dabei ist ein großer Teil dieser 14 Millionen für regelmäßige wirtschaftliche Tätigkeit überhaupt noch nicht gewonnen. Ihre Wohnstätten sind noch nicht durch Verkehrswege an den Welthandel angeschlossen. Es ist also nicht weiter erstaunlich, daß die gesamte Ausfuhr berechnet auf den Kopf der Bevölkerung nur etwa 5 Mark ergibt, während sie in anderen tropischen Gebieten, wie z. B. in Jamaika und Trinidad bei einer Bevölkerungs­dichtigkeit von 69, resp. 62 Personen, 48, resp. 175 Mark beträgt.

IV.

Die deutschen Kolonien können der Aufgabe Roh­stoffe und Nahrungsmittel zu erzeugen, nur dann ge-