Druckschrift 
Die Neugestaltung unserer kolonialen Aufgaben : Festrede, gehalten ... den 7. März 1911 / von M. J. Bonn
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen
 

_ 2

die einzige, die in seiner Regierungszeit ins Leben ge­treten ist.

Kein menschlicher Wille hätte ausgereicht vor dieser Zeit eine Handelshochschule in München zu begründen; dazu war das wirtschaftliche Leben Deutschlands und besonders Bayerns nicht lebhaft und mächtig genug. Hierin haben die letzten 25 Jahre, die Zeit der Regierung unseres Regenten, eine gewaltige Umwälzung geschaffen, eine Umwälzung, die Deutschland aus einem auf die heimische Erde beschränkten Binnenlande zu einer in die Weltwirtschaft unauflöslich verflochtenen wirtschaft­lichen Großmacht gemacht hat.

Ich darf vielleicht in kurzen Zügen auf eine Seite dieser Umwälzung hinweisen, auf der der Umschwung klarer zum Ausdruck gekommen ist, als anderswo, auf die Umwand­lung unserer Vorstellung von den Zwecken unserer Kolo­nien, auf die Neugestaltung unserer kolonialen Aufgaben.

I.

Wenige Jahre, ja wenige Monate bevor Seine König­liche Hoheit die Bürde seines hohen Amtes übernahm, war Deutschland in die Reihe der Kolonialmächte getreten. Es war die Zeit, da die deutsche Auswanderung eine nie gesehene Ausdehnung erreichte. In den 3 Jahren 1880 1883 haben 540 000 Menschen die heimatliche Scholle verlassen. Im Jahrfünft 18811885 hat der Strom der deutschen Auswanderung 875000 Menschen mit sich geführt. Es war eine Bewegung, die seit einem halben Jahrhundert ununterbrochen vor sich gegangen war. Sie hat fremden Ländern eine Menge der vorzüglichsten Siedler zugeführt, der deutschen Heimat aber viele der tüchtigsten Kräfte entrissen. Jetzt, wo das Reich in neuer Macht erstarkt war, bestand die nicht unbegrün-