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und mit Recht nicht — den Vorschlag, man möge die Lücke durch Organisierung einer deutschen Arbeiterauswanderung ausfüllen 8 ).
V.
Dabei ist die Möglichkeit, große Mengen farbiger Arbeitskräfte durch Einwanderung aus fremden Kolonien zu gewinnen, nicht übermäßig groß. Wo man in Afrika hingeht, herrscht, sobald eine einigermaßen intensive Industrie sich entwickelt hat, Arbeitermangel. Die hohen Löhne der Goldindustrie in Johannesburg, wo heute 208000 Eingeborene beschäftigt werden, vermochten ebensowenig ein dauerndes, ausreichendes Arbeiterangebot zu sichern, wie die über 1 Million starke Eingeborenenbevölkerung Natals imstande gewesen ist, den Zuckerrohpflanzern die nötigen Arbeitskräfte ohne Kulizuwanderung zu verschaffen.
Afrika als Ganzes betrachtet ist ein dünn bevölkertes Land. Der afrikanische Neger, der sich dem wirtschaftlichen Leben widmet, ist mit wenigen Ausnahmen ein Bauer, dem die eigene Scholle genügt, wenn er auch ihren Ertrag gelegentlich durch Wanderarbeit zu ergänzen sucht, der aber nur in seltenen Fällen zum besitzlosen Arbeiter geworden ist. Solange die afrikanische Bevölkerung an Zahl nicht wesentlich zunimmt, solange wird jede Steigerung der Produktion mit großen Schwierigkeiten verbunden sein, zumal die afrikanische Arbeitskraft heute noch wenig ergiebig ist.
Dabei muß man sich die Größe der zu leistenden Arbeit einmal vergegenwärtigen. Der Verbrauch der deutschen Baumwollindustrie vom 30. September 1909 bis 31. August 1910 hat 1 Million 664000 Ballen, also ca. 377 Millionen Kilo betragen. Sollte dieser ganze Be-