GOETHE (August 185,9)
Gleich wie auf Adlersflügeln, die mit sicherm Schwung Die leichte Luft zerteilend in das fernste Blau, Die Stolzen, herrlich dringen, hebe sich mein Lied.
Im Felsenleib gegründet steht auf Klippen selbst
In sicherer Ruhe fest getürmt ein stolzes Haus,
Das Sturm und Fluten mit dem immer gierigen Zahn
Umsonst benagen; über Schätzen, Volk und Land
Thront einer mächtig, wie ein Göttlicher begabt
Und herrschend wie ein Gott; vor andern wohl
Hebt eines schönen Leibes jugendliche Kraft
Sich in lebendiger Kühnheit unberührt hervor,
Daß wir vergessen, wie auch das vergänglich ist,
Und daß es uns unsterblich scheint und nie erzeugt:
Bei Bäumen auch sind Riesen, deren stolze Kraft
Schwer schattend über den entzückten Fluren hängt,
Und Blumen sind, die mit so wundervollem Duft
Erfüllen ihrer Blätter farbig zarten Kreis,
Daß sie uns wie ein Zauberspiel des fernsten Traums,
Wie Grüße rühren, die aus unbekannter Luft
Zu uns heranwehn. — Schönheit, kennen wir sie denn?
Wem soll ich den vergleichen, welchem alles ward,
Was alle wünschen, wenn sie anders weise sind?
Der Fürst hat wohl die Macht. Um den erhabnen Thron Legt sich die Welt in Zittern; und der Riesenarm Des Hochgewaltigen schmettert mit erprobter Wucht Die Scharen nieder, die der eisernen Stirne sich Entgegen trotzig mühten; — Friede wächst wohl auch
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