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Lieder und Elegien / von Rudolf Alexander Schroeder
Entstehung
Seite
24
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VERLANGEN

I

Mir zu nennen mein Verlangen Würden Schreie kaum genügen; Doch will ich mich unterfangen Dich mit Anmut zu belügen.

Schiffe östlich hergeschwommen Wohl durch Flüsterwellen ziehen; Wie du kaum den Klang vernommen, Wollen westlich sie entfliehen.

Sind auch, wo die Wälder dunkeln, Wege, die sich seltsam gleichen. Durchs Geäste irrt ein Funkeln: Doch du magst es nicht erreichen.

Will auch kühn der Tag entschimmern, Sonne, sonnenhaft zu feiern, Bleibt doch ein bedenklich Flimmern: Eines will sich nicht entschleiern.

Ach, wo alles schwankt und wandelt, Wollen Träume dich berücken. Dennoch: Den, der ernstlich handelt, Werden Schmerzen selbst beglücken.

Wird doch, was dich krank gemacht, Was dich lächelnd angesehen, Wie die Wollust einer Nacht Jäh und wunderlich zergehen.

M