Die von Lehe wieder beim Rate
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die gefüllte mansfeldische Kriegskasse rauben, die er nach Ostfriesland entführte. Spottend sangen die Sieger von Drakenburg ihm nach:
„Wir han das Feld,
Wrisberg das Geld,
Wir han das Land,
Er hat die Schand."
Durch den glorreichen Sieg von Drakenburg wurde der Schmalkaldische Krieg für Niedersachsen glücklich beendet. Als dann auch in Obersachsen, wo der Kaiser bei Mühlberg am 22. April die Häupter des evangelischen Bundes geschlagen hatte, durch den Abfall des Herzogs Moritz von Sachsen eine günstige Wendung herbeigeführt worden war, kam es zu Friedensverhandlungen, die im Augsburger Religionsfrieden von 1555 ihren Abschluß fanden. Die Evangelischen erhielten das Recht freier Religionsübung; die Stadt Bremen rettete ihre Privilegien und Gerechtigkeiten, nur die Herrschaft Esens mußte sie wieder herausgeben?')
Der Bericht von der Teilnahme Lehes an der Verteidigung Bremens im Schmalkadischen Kriege zeigte uns das schönste Beispiel lehischer Waffen- tüchtigkeit. Es mag hier deshalb der Ort sein, das, was wir von der Wehrverfassung Lehes wissen, mitzuteilen.
Zuerst waren die Leher verpflichtet, „Fähre und Flecken" zu verteidigen. Die Anstalten zur Verteidigung des Fleckens waren verhältnismäßig gut. Graben, Wall und Zaun aus „Tünelruten" zogen sich um den Flecken herum, der Zaun als Einfriedigung der einzelnen Hofstellen. Die Eingänge des Ortes waren, wie schon mitgeteilt, durch feste Tore geschützt, wenigstens lassen das Bezeichnungen wie „Schinnerdor", „But'n Dor", „Dat side Dor", „Für'm thor auf jenem ohrt", „Das Thor" vermuten. Das „Schinnerdor" stand etwa da, wo die Batteriestraße von der Johannesstrahe abzweigt. Das „side Dor" wurde 1543 abgebrochen und aus seinen Steinen ein Ziegelhaus erbaut. Wo es stand, ist nicht bekannt. „Für'm thor auf jenem ohrt" (vor dem Norderende des Fleckens) hielt ein Leutnant zur Zeit des Siebenjährigen Krieges (1760) Wache. „Das Thor" erscheint 1664 in der Fleckensrechnung, es wurde damals ausgebessert.^)
Als eine kleine Festung im Orte können Kirche und Kirchhof angesehen werden, die Kirche mit ihren 1,20 m starken Granitmauern und festem Turm, der Kirchhof mit Feldsteinmauer und überbauten Zugängen. Der Turm der Heiligenkreuzkapelle diente als Warte zur Sicherung der Fähre. Er wurde 1573 von einem Johann Schmidt bewohnt?")