Die Flur
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den Unterweserstädten. Seine Bewohner brauchen nicht mehr wie einst die Ganderkeser die Wurstfriesen zu fürchten; denn diese sind längst „eingedeutscht" und haben verlernt, den Grauwall als Völkerscheide anzusehen.")
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Die Betrachtung des Flur- und Fleckenbildes im ganzen und im einzelnen führt zu dem Schlüsse, daß wir nur das Urteil der alten Geschichtsschreiber bestätigen können: „ein vornehmer Flecken" und „ein feiner, großer Distrikt". Wir verstehen, daß die Bewohner Flecken und Flur, die sie „das Vaterland" nannten, verteidigten bis zum äußersten, daß sie sie frei erhielten von jeder das Eigentum schändenden Grundherrlichkeit.
Zweites Kapitel:
Das Geschlechlerdorf.
Die ersten Bewohner unserer Gegend.
Die ersten Bewohner unserer Gegend, welche die Geschichte kennt, waren Chauken, Angehörige einer Völkerschaft der Westgermanengruppe. Sie saßen hier zu Beginn unserer Zeitrechnung, und ein chaukischer Urnenfriedhof in der Nähe der Dionysiuskirche läßt vermuten, daß zu ihrer Zeit an der Stelle, wo jetzt der älteste Teil unserer Stadt liegt, schon eine Siedlung vorhanden war?) Später war das Gebiet der Chauken im Besitze der Sachsen und Friesen. Die Frage, ob eine friedliche Vereinigung der Völkerschaften oder eine gewaltsame Unterwerfung der Chauken stattgefunden hat, ist bisher nicht sicher beantwortet?) Als Vorläufer der Sachsen werden Angeln und Warnen genannt. Von den Warnen, die auch Thoringe heißen, sollen die vielen „Büttel" unserer Gegend herstammen, die man in besonders großer Zahl im Thorlingo, dem Hauptsiedlungsgebiete der Thoringe an der Aller, findet. Ferner sollen die Orts- bzw. Flurnamen Düring bei Loxstedt, Dörringsworth, Döringsweg und Warningsacker in Hadeln an die Thoringe oder Warnen erinnern. Die Annahme, daß die Thoringe einst in Hadeln saßen, wird auch gestützt durch die sächsische Stammessage, welche die an der Küste Hadelns landenden Sachsen auf die „Thüringe" stoßen läßt?)
Der „Büttel" kommt bei vielen Ortschaften des Landes Wursten und der Börde Debstedt vor. Lehe hat sogar zwei Büttel, nämlich den Leher und den Ganderser (Specken) Büttel. Der Büttel erscheint entweder wie in Lehe als vollwertiger Ortsteil, oder wie in Debstedt als Ausbau aus dem Orte. Es ist