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Geschichte der Stadt Lehe / von Hermann Schröder
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Die Einführung der Reformation

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die Reihe der Schirmherren des evangelischen Glaubens im Reiche. Wegen innerer Unruhen es war der Aufstand der 104 Männer in den Jahren 1531/32 kam es jedoch erst 1534 zur Neuregelung des Kirchenwesens durch die von Johann Timann verfaßte, von Luther und Bugenhagen begutachtete und vom Rate eingeführte Kirchenordnung, die gleicherweise für die Stadt- und die Landkirchen gelten sollte.

Am 17. Juni 1534 lud der Rat sämtliche Kirchherren und Pastoren des Landgebietes nach Bremen ein und ermähnte sie, die Predigt des Evan­geliums, die Verwaltung der Sakramente und die Form des Gottesdienstes der neuen Ordnung gemäß einzurichten. Ein jeder von ihnen erhielt ein Stück der Kirchenordnung mit der Zusage überreicht, daß der Rat ihn, falls er seiner Ermahnung folge und sich in den heiligen Ehestand begebe, wohl versorgen wolle.")

Es ist sicher, daß unter den Landgeistlichen, die hier auf die bremische Kirchenordnung verpflichtet wurden, auch die von Lehe waren, da schon 1530 Erzbischof Christoph unsern Flecken wieder an den Rat hatte zurückgeben müssen. So können wir, wenn die Zeit von 15301534 etwa die des Über­ganges war, den 17. Juni 1534 als den Geburtstag der evangelisch­lutherischen Kirche in Lehe ansehen.

Um die Einführung der Kirchenordnung überwachen zu können, er­nannte der Rat als numehriger Inhaber der bischöflichen Gewalt Jakob Probst von der Liebfrauenkirche zum Superintendenten, dem später die ersten Geistlichen der alten Stadtkirchen als geistliches Ministerium an die Seite traten. Während der Rat in den Kriegen gegen Esens und den Kaiser nach außen treue Wacht hielt, setzten Probst und seine Helfer in der Stille das Reformationswerk fort. So gewann echt lutherischer Geist mit seiner Stärke wie seiner Schwäche in Bremen Boden: unbedingtes Vertrauen in das Wort des Meisters, übermäßiges Hervorheben des den Geist tötenden Buchstabens.

S. Die Hardenbergischen Streitigkeiten.

So fand Albert Rizäus von Hardenberg, der Feldprediger des Grafen Christoph von Oldenburg, die kirchliche Lage, als er, vom Domkapitel zum Prediger gewählt, 1547 nach Bremen kam. Hardenberg, ein Freund des die Schweizer Reformatoren hochverehrenden Melanchton, wurde von den Geist­lichen der Stadt bald alsPhilippist" erkannt. Da er sich weigerte, durch Unterschrift sich zur lutherischen Abendmahlslehre zu bekennen, wurde er auf das heftigste angefeindet. Fast alle Geistlichen und Mitglieder des Rats zählten zu seinen Gegnern, nur der Bürgermeister Daniel von Büren, der sieben Jahre in Wittenberg studiert und die milden Anschauungen Melanch-