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Meine Erlebnisse während des Feldzuges gegen die Hereros und Witbois nach meinem Tagebuch / Helmuth Auer von Herrenkirchen
Entstehung
Seite
88
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11. Gefechte bei Rietmont und Naris.

Gleich einer der ersten gegnerischen Schüsse sollte leider ver­hängnisvoll werden. Durch den Kopf getroffen sank der Führer der Patrouille, Leutnant v. d. Marwitz, der kniend geschossen hatte, lautlos um, nur nie wieder aufzustehen. Hilfe konnten wir ihm nicht bringen, trotzdem er nur wenige Schritt von mir entfernt lag, und wir mußten, als das feindliche Feuer sich immer mehr ver­stärkte und unsere Pferde fortliefen, den entseelten Körper unseres braven Kameraden, der seine Tapferkeit mit dem Heldentode be­siegelt hatte, dem Feind überlassen.

Im Begriffe uns zurückzuziehen, erhielt auch ich einen Schuß durch den linken Oberschenkel, während der Bur gleichfalls durch zwei Schüsse an den beiden Oberschenkeln und einen Streifschuß an der Hand verwundet wurde. Die Pferde hatten sich, wie schon gesagt, durch das heftige Feuer des Feindes erschreckt, losgerissen, und da auch vom Gros der Patrouille fünf Leute gefallen waren, konnte der Rest sie nicht am Davonjagen verhindern. Ein Teil wurde jedoch durch einige Leute gekehrt und festgehalten. Bei der voll­ständigen Überlegenheit und der verdeckten Stellung des Feindes sah ich in Anbetracht der beträchtlichen Verluste keine Möglichkeit eines weiteren Widerstandes und versuchte, nachdem wir die Pferde eingefangen hatten und aufgesessen waren, indem ich den Kriegsfreiwilligen Loewenich und den verwundeten Buren an die Spitze kommandierte, die Abteilung in der Richtung Dabib zurückzuführen. Dies gelang mir unter ständigem starken Verfolgungsfeuer des Gegners, der uns in der Flanke durch vor­geschickte Reiter, die in geschickter Weise Stellung zu finden ver­standen, hart bedrängte. Zunächst kamen wir bis kurz vor Naris, das wir in nördlicher Richtung umgingen. Unmittelbar hinter Naris bekam unsere Abteilung von südlicher Richtung her aus einer Ent­fernung von ungefähr 200 m wiederum sehr starkes Feuer, das uns auf einige Kilometer durch immer wieder zu Pferde vor­geschickte Witbois verfolgte. Etwa I 1/2 Stunden nach Sonnenauf­gang erreichten wir Dabib, wo selbst die inzwischen uns zur Ver­stärkung nachgeschickte Patrouille Graf Hardenberg die rückwärtige Sicherung übernahm, so daß wir nun endlich an das Verbinden der Verwundeten gehen konnten, die außer mir und dem Bur aus