9. Gefecht bei Kub.
Ursprünglich hatte man die Absicht gehabt, die Kompagnie erst am nächsten Morgen folgen zu lassen, damit sich die Pferde ausruhen könnten, Oberst Deimling aber schien die Sache nicht recht geheuer und ordnete deshalb noch den Vormarsch für denselben Abend an, ein Entschluß, der, wie die Zukunft lehrte, nur zu gerechtfertigt war.
Als ich nämlich am Morgen des 22. nur 41/2 Uhr beim Oberleutnant Ritter das erste Frühstück einnahm, hörten wir, daß Witbois kurz vorher die Pferde einer Halbbatterie, die eine Stunde weit vom Lager weideten, geraubt hätten. Es waren bereits einige Patrouillen zur Rekognoszierung vorgeschickt, und wir besprachen gerade, was zu machen wäre, da hörten wir ein heftiges Gewehrfeuer. Alles trat sofort an die Gewehre, und die Kompagnie Ritter marschierte in wenigen Minuten in südwestlicher Richtung vor, von wo die Schüsse gehört worden waren. Ich sammelte meine Leute und rief ihnen zu, mein Gewehr mitzubringen. Letzteres war jedoch in der Eile überhört worden, und so mußte ich einen Gefreiten zurücksenden, um mir dasselbe zu holen. Sprungweise vorgehend, wurden wir vom Gegner heftig beschossen. Für mich persönlich war es noch ein großes Glück, mein Gewehr rechtzeitig erhalten zu haben, dem: ein Geschoß traf den Kolbenhals desselben, den es zerschlug. Hätte ich die Waffe nicht gehabt, so wäre wohl mein rechtes Knie zersplittert worden, aus diese Weise kam ich nur mit einer unbedeutenden Kontusion davon. Ein Glück war es, daß die Kompagnie, die mit Oberst Deimling marschierte, wie zuerst geplant war, nicht später kam, sonst wäre es uns wohl übel ergangen, dem: wir hatten hier ungefähr 17 000 Stück Vieh zu sichern. Eine Patrouille von zwei Unteroffizieren und einem Eingeborenen hatte ich sofort bei Beginn des Gefechtes zu den auf der Weide befindlichen Pferden geschickt, mit dem Auftrage, die Pferde zur nahegelegenen Signalstation zu bringen und dann gegen den rechten Flügel des Feindes aufzuklären. Bei der Ausführung ihres Befehls sah die Patrouille eine große Staubwolke iu der Richtung auf Kuis, und in dein Glauben, daß Vieh weggetrieben würde, jagte sie nach und fand dann auch eine durch drei Witbois hinweggetriebene Herde Kleinvieh von 200 Stück.