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Meine Erlebnisse während des Feldzuges gegen die Hereros und Witbois nach meinem Tagebuch / Helmuth Auer von Herrenkirchen
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Decken wohl oder übel Unterschlupf in einem einfachen Zelt suchen, was irr den nassen Kleidern bei einer Temperatur, die in der Nacht bis zum Gefrierpunkt sank, wahrend sie am Tage ungefähr 25 o R. erreichte, gerade kein besonderes Vergnügen war. Meine Verpflegung erhielt ich in diesen Tagen aus dem überfüllten Hotel Bismarck, in dem leider für Nachtquartier kein Raum für mich war.

2. Reise in das Innere über Okahandja nach Grootfonlein.

Am Donnerstag den 16. Juni abends waren glücklich sämtliche Kisten und Kastei: in fünf Eisenbahnwagen verstaut, und die Reise konnte am nächsten Morgen um elf Uhr nach Jakalswater, der ersten Tagesstation, etwa 100 icm östlich von Swakopmund, vor sich gehen. Abends um sieben Uhr kamen wir hier an, hatten also zu dieser Strecke mit der mehr als primitiven Kleinbahn volle acht Stunden gebraucht. Unterwegs in Wellwitsch, nach knapp zwei Drittel des Weges, war unser Dampfroß infolge der vielen Steigungen nicht mehr imstande den ganzen Transport bewältigen zu können, so daß notgedrungen zwei Wagen zurückgelassen werden mußten. Ich fuhr natürlich erster Klasse. Wer aber glaubt, daß diese stolze Bezeichnung mit irgendwelchem Komfort verbunden wäre, irrt sich gewaltig, denn mein Wäger: unterschied sich von den übrigen Gepäckwagen durch weiter nichts, als durch zum Schutz gegen die Sonnenstrahlen darübergespanntc Leinwandplane. Als Sitzgelegen­heit benutzte ich ebenso wie die anderen eine der vielen Kisten. Da nächtlicherweile der Eisenbahnbetrieb eingestellt wurde, so über­nachteten wir in Jakalswater, wo ich den Verhältnissen entsprechend sehr gut unterkam und sogar in einen: Bett schlafen konnte. Am ander:: Morgen um acht Uhr sollte die Reise nach Karibib weiter­gehen. Aber siehe da, unsere Lokomotive streikte, und ehe eine neue in Betrieb gesetzt werden konnte, vergingen drei volle Stunden, die ich dazu benutzte, mich mit meinen Unteroffizieren in: Scharfschießen zu üben. Wir bauten uns Ziele und schössen etwa auf 200 :rr. Ich will hier gleich hinzufügen, daß wir Offiziere genau wie die Mann­schaften ausgerüstet waren mit Gewehr, Seitengewehr und Patronen- gürtel. Es hatte dies den Zweck, den Offizier nicht besonders