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Meine Erlebnisse während des Feldzuges gegen die Hereros und Witbois nach meinem Tagebuch / Helmuth Auer von Herrenkirchen
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am Morgen des 23. August um 5 Uhr brach das Hauptquartier iu der Richtung auf Owikokorero auf. Am Mittag trennte ich mich von der Kolonne und ritt allein nach dem Okonkawa-Berg, um die Signallinie Okongawa-BergOwikokoreroOtiosasuOkahandja zu übernehmen. Am Nachmittag traf ich dann in Owikokorero ein, wo die Abteilungen des Hauptquartiers vom Major v. Redern er­wartet wurden. Meinen Aufenthalt hier benutzte ich dazu, um zu­nächst auf alle Signalstationen so viel Material zu schicken, daß sie auf mindestens einen Monat versorgt waren.

Wie ich schon früher erzählte, war ich in bezug auf meiner: äußeren Menscher: sehr heruntergekommen, da sich ja allmählich mein sämtliches Gepäck und Schlafsack verkrümelt hatten. Ich war daher nicht wenig erfreut, daß mir Exzellenz v. Trotha aus seinem eigenen Bestände einen Kakianzug sowie frische Wäsche verehrte, und wen:: mir diese Kleidungsstücke auch nicht gerade wie angegossen saßen, so verlernt man eben in Afrika jede Eitelkeit und ich war froh, aus meinen alten Lunchen herauszukommen.

6. Die Verfolgung der Hereros.

Ehe ich nun über meine weitere Tätigkeit berichte, möchte ich eine kurze Schilderung der Ereignisse nach den blutigen Kämpfen am 11. und 12. August hier einfügen. Da ich während der letzten vierzehn Tage fast stets aus dem Marsche war und demgemäß aus eigener Anschauung über die Verfolgung des aufs Haupt geschlagenen Gegners nur wenig weiß, so entnehme ich diese Schilderung einem Bericht:

Nach Beendigung der Kämpfe in der Nacht zum 12. August war natürlich bei keiner Abteilung eine Verfolgung möglich. Dunkel­heit, llnbekanntschaft mit dem unwegsamen Gelände und die Er­schöpfung nach den furchtbare:: Entbehrungen und Anstrengungen des Tages und der letzten Wochen werden sogar das Folgen mit Patrouillen ausgeschlossen haben. Erst am 12. August konnten die Erfolge übersehen werden. Der Gegner war fort. Es wäre nun ein Fehler gewesen, wenn die Abteilungen auf irgendeiner der zahl­reichen Spuren gefolgt wären. Erst mußte die Richtung festgestellt werden, in der die Hauptkräfte abgezogen waren. Das geschah durch

Verfolgung der Hereros.