Druckschrift 
Deutschland im Stillen Ozean : Samoa, Karolinen, Marshall-Inseln, Marianen, Kaiser-Wilhelms-Land, Bismarck-Archipel und Samoa-Inseln / Georg Wegener
Seite
144
Einzelbild herunterladen
 

144

Die Salomo-Jnseln.

wird, besitzen wir nur Vermutungen. Vielleicht bilden archäische Felsarten das Grund­gerüst; jungvnlkanische Gesteine nehmen aber sicher großen Anteil daran. Noch heute entfalten aktive Vulkane im unbekannten Innern ihre Tätigkeit. Soweit man von außen sehen kann, bilden zwei von Nordwest nach Südost streichende Gebirge den Jnnenraum von Bougainville, das Kronprinzen- und das Kaisergebirge, von denen das letzte, west­liche, im Vulkan Balln, bis über 3000 in, das andere in einem anscheinend vulkanischen Gipfel bis gegen 2500 m emporsteigt. Küstenebenen, oft von reichen Mangrovebeständen umsäumt, umgeben sie und lassen in dem Dickicht ihrer Wälder Dörfer mit braunen Hütten erkennen; Rauchsäulen geben Kunde von Rodungen im Urwald, wie wir sie schon näher kennen gelernt haben und deuten ebenfalls auf eine beträchtliche Besiedelung hin.

Wunderbar schön ist der landschaftliche Anblick der von waldigen Inseln begleiteten und mit dichtem Waldwuchs bis in die wild zerrissenen Gipfel bekleideten- Gelände von der See aus, ein Eindringen ins Innere aber hat bisher nicht ausgeführt werden können. Noch heute geschieht der Tauschhandel mit den Eingeborenen lediglich von den Schiffen aus. Die Wildheit und kriegerische Gefährlichkeit der mißtrauischen, der Menschenfresserei ergebenen Bevölkerung hat Ansiedelungen vollends bisher unmöglich gemacht.

Eine schmale Durchfahrt, König-Albert-Snnd genannt, trennt Bougainville von Buka.

Die kleine Insel ist aus einem nördlichen stachen und einem südlichen gebirgigen Teil zusammengesetzt; sie verschmälert sich nach Nordwesten. Die Ost- und die West­küste stürzen ziemlich steil zur See hinab. Die gesamte Ostküste ist durch ein Wallriff ohne jeden Durchlaß verbarrikadiert, und auch der Zugang von Westen her durch zahl­reiche Riffe gefährdet. Die flache, waldbedeckte, aus Korallenkalk gebildete nördliche Ebene besitzt einen brauchbaren Landungsplatz in dem Königin-Carola-Hafen (Abb. 130).

Wie die Salomo-Jnseln unmittelbar reich mit Korallenriffen umsäumt sind, so werden sie auch weiter außen noch von selbständigen Korallenbildungen begleitet. So finden wir längs der Nordostseite der Inselgruppe einen Streifen solcher Koralleninseln, von denen in den deutschen Bereich das Tasman- oder Palowi-Atoll, das Marken- oder Marqueen--Atoll (Abb. 131 u. 132) und das Lagunenriff der Carteret - Inseln fallen, alle aus zahlreichen Eilanden bestehend. Die früher zum deutschen Besitz gehörige große Gruppe der Lord-Howe-Inseln ist mit Jsabel und Choiseul an England abgetreten worden. Das in der westlichen Fortsetzung ihrer Reihe gelegene Nissan und die Fead- gruppe haben wir bereits erwähnt.

Klima, Vegetation und Tierwelt der Salomo-Jnseln kennen wir noch sehr wenig; im wesentlichen werden sie mit dem Bismarck-Archipel übereinstimmen.

*

*

Die Koralleninseln im Nordosten der Gruppe, Marken, die Lord-Howe-Inseln, Tasman, haben interessanterweise eine polynesische Einwohnerschaft, welche den Dialekt von Rarotonga (Cook - Inseln) sprechen und noch eine Tradition ihrer weiten Wande­rungen bewahrt haben. Einige wertvolle Typen aus diesen bemerkenswerten Kolonien seien hier beigefügt, obwohl die Lord-Howe-Jnseln jetzt nicht mehr deutsch sind (Abb. 133 bis 136).

Die Bevölkerung der Hauptinseln ist melanesisch.

Wie die Bismarck-Insulaner gegenüber den Leuten von Neu-Guinea, so stellen die Bewohner der Salomo-Jnseln wieder den ersteren gegenüber einen körperlich kraftvolleren und anscheinend auch kulturell etwas fortgeschritteneren Typus vor. Es sind große, mächtige Gestalten mit stolzer Haltung und tief schwarzbranner, oft an die Farbe des Rußes erinnernder Haut (Abb. 137). Auch die Frauen sind hier kräftiger, besser genährt und nach unseren Begriffen schöner. Das widerliche Schwarzfürben der Zähne kennen sie nicht. Sie gehen zwar vollständig nackt, aber ihre Industrie in Herstellung von Schmuck, Waffen, Kanus, Häusern, Holzschnitzereien aller Art ist anscheinend noch höher entwickelt, als im Bismarck-Archipel. Prachtvoll sind insbesondere die Speere, Bogen und Pfeile, auf deren Besitz der kriegerische Sinn des Volkes einen besonderen Wert legt