Druckschrift 
Deutschland im Stillen Ozean : Samoa, Karolinen, Marshall-Inseln, Marianen, Kaiser-Wilhelms-Land, Bismarck-Archipel und Samoa-Inseln / Georg Wegener
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

142

Maskentänzc. Soziale Verhältnisse im Bismarck-Archipel.

der Wölbung angebrachtes Quer- stäbchen tnit den Zähnen und hält die Maske so fest. Auf der Neu- Lanenburg-Grnppe tragen die Män­ner große holzgeschnitzte Figuren: Eidechsen, Vögel, Fische auf dem Rücken oder auf dem Kopf. Ganz besonders große Tanzfestlichkeiten werden in Zwischenräumen von meh­reren Jahren veranstaltet. Auf der Gazelle-Halbinsel versammeln sich dazu oft bis dreitausend Eingeborene. Sonderbare Bauwerke, wie bis 10m hohe, turmartige Gestelle werden dazu errichtet und phantastisch ge­färbte Kopfbedeckungen getragen (vgl. Abb. 127). Auf Neu - Mecklenburg gibt es Masken mit so fratzenhaft ge­schnitzten Gesichtern, daß sie an die Phantasien eines Teniers oder Höl- lenbreughels erinnern können. Rie­sige durchbrochen gearbeitete Ohren oder Flügel ragen zu beiden Seiten empor (vgl. Abb. 128).

Was die sozialen Einrichtungen der Bismarck-Jnsulaner betrifft, so besteht auch hier ein starker Unter­schied zwischen den Rechten von Mann und Frau. Die Männer scheinen die regelmäßige Arbeit auf ihren Besitzungen fast wie eine Schmach zu empfinden; diese liegt ganz und gar den Weibern ob. Der Mann kaust sich seine Frauen für die Arbeit und sieht darin eine besonders vorteilhafte Kapitalsanlage. Nicht nur von aller Anteilnahme am öffentlichen Leben, sondern auch von der Mehrzahl der Vergnügungen, den großen Schmausereien, den bei Knaben und Männern so überaus beliebten Spielen und dergleichen sind die Frauen ausgeschlossen. Von Jugend auf kennen sie nichts als harte Tätigkeit in den Pflanzungen oder im Hause des Mannes (Abb. 129).

Die politische Entwickelung scheint ein wenig fortgeschrittener als auf Neu-Gninea, insofern sich etwas ausgedehntere Häuptlingsmacht herausgebildet hat. Bei der Existenz eines wirklichen Geldes und bei der ungeheuren Wertschätzung, die diesem Diwarra beigelegt wird, ist naturgemäß die Macht und der Einfluß des Reichtums ein erheblich größerer als in dem einfacheren Neu-Gninea.

Es ist einer der interessantesten Vorgänge, die ein Geschichtsphilosoph sich aus­klügeln könnte, den wir aber vor unseren Augen sich vollziehen sehen. Unzweifelhaft stehen diese Völker auf einer Kulturstufe, die unsere Vorfahren vor Jahrtausenden auch erlebt haben und die in vielen Ansätzen deutlich auf die Ziele hinweist, die wir selbst er­reicht haben. Diese Entwickelung wird unterbrochen durch den plötzlichen Einbruch des Europäers. Wird es möglich sein, die Melanesier mit Überspringung von Jahrtausenden in diese Kultur hineinzuheben, oder werden sie daran zu Grunde gehen? Die Frage ist weniger unbedingt nach der letzten Seite hin zu beantworten, als bei den Polynesiern; denn diese sind zwar selbst höher bereits entwickelt, als die Melanesier, aber anscheinend sind die letzteren von erheblich widerstandsfähigerer Natur, als jene.

Abb. 134. Eingeborene der Lord-Howe-Jnseln.

(Zu Seite 144.)

-i-

*