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über ihre Guthaben war nicht vorhanden. Wer keine Quittung vorweisen konnte, wurde nach seiner Angabe ohne Prüfung ausbezahlt. Leutnant Boby griff wahllos in die Kiste und gab die Noten, ohne zu zählen, lediglich nach Schätzung der Papiermenge, Handvollweise aus, jede Handvoll galt für 100 Rupien. Ein ehrlicher schwarzer Unteroffizier kam nach Durchzählen seines Geldes zu Boby zurück und wollte ihm etwa 70 Rupien wiedergeben, die er zuviel erhalten hätte. „Geh weiter, das ist dein Geschenk!", war Bobys Antwort.
Nach diesen Stichproben wundert man sich nicht mehr über die tiefe Verbitterung und das gründliche Mißtrauen unserer Eingeborenen in die Ehrlichkeit der Engländer. Es ist kein Geheimnis, daß im Frühjahr 1919 in Daressalam ein kriegsgerichtliches Verfahren gegen den Major Montgomery schwebte, der unter der Anklage stand, sich von unseren braven Schwarzen über 70 000 Rupien zusammengestohlen zu haben.
Wahrlich, kein angenehmes Geschäft, solche Dinge zur Sprache bringen zu müssen! Wieviel leichteren Herzens wirkt sich's zur Verständigung und zur Versöhnung. Aber nachdem unser Volk so maßlos geschmäht, so erfolgreich angeschwärzt worden ist. daß selbst Präsident Wilson die ärgsten Verleumdungen geglaubt und in seiner Völkerbundsrede in Paris am 14. Februar 1919 sich zu eigen gemacht hat, nachdem wir in der ganzen Welt als die brutalen Ausbeuter unserer Kolonien, als die gewissenloser Verruchter unserer Schutzgenossen hingestellt worden sind, da ist es Pflicht, mit unseren nur allzuwohl begründeten Anklagen nicht hinterm Berge zu halten.
Wie denkt sich England nach solchen Geschehnissen sein weiteres Verbleiben in Deutsch-Ostasrika? Sein Name ist in diesem Lande geschändet, das Vertrauen dieser Völker ist verwirkt. Montgomery und sein System wird nicht vergessen werden. Montgomery wird die unübersteigbare Scheidemauer zwischen England und den Herzen unserer Ostafrikaner sein.