I. Abschnitt.
EINLEITUNG.
AVa hl spruch : „Aus eigener Kraft!“
In der Gegend von Salurn überschreitet man die deutsch-italienische Sprachgrenze und verläßt damit den letzten Ort, der mit dem deutschen Sprachgebiete in geschlossenem Zusammenhänge steht. Von Salurn bis Trient führt der Weg noch durch das prächtige Etschland mit seinem breiten sonnigen Tale, bis bei Trient der Fluß sich endlich einen Durchbruch durch das Kalksteingebirge verschafft und bald, nachdem er die hohen rauhen GebirgsStöcke hinter sich gelassen hat, in die heiteren Fluren des italienischen Gebietes eintritt.
Auf dem Gebirgszuge des linken Etschufers, der die Grenze zwischen Oberitalien und der österreichischen Provinz Tirol bildet, sind mehrere Gemeinden ansässig, die zum Teil noch heute eine deutsche Mundart reden. Einige derselben gehörten einst zu der Kepublik Venedig, kamen dann unter die Oberhoheit Österreichs und gehören heute zu Italien. Sie werden meist unter dem Namen „Sette Comuni von Vizenza und Tredici Comuni von Verona“ zusammengefaßt, wenn auch nur einige wenige dieser Gemeinden heute noch die deutsche Sprache als Haussprache sich erhalten haben.
Die Bewohner dieser Gemeinden wurden früher fast allgemein für die Nachkommen der von Marius besiegten Cimbern gehalten, um so mehr, da der Zufall es wollte, daß diese Gebirgler sich selbst „Zimberleute“ nannten, eine Benennung, die jetzt wohl allgemein als „Zimmerleute“ erklärt wird. Obgleich das Wort in der Mundart selbst vorkommt , so hat doch schon Sch me 11 er nachgewiesen, daß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Cimbern der vorchristlichen Zeit und unsern Zimberleuten nicht vor-
Baß, Sprachinseln I. 1