IV. Abschnitt.
DIE 7 UND 13 GEMEINDEN IN OBERITALIEN.
Von Lusern nach den Sette Comuni.
Als ich endlich von Lusern (1898) Abschied nahm, begleitete mich noch ein Einheimischer bis zur italienischen Grenze. Ich wollte mich zuerst Asiago, der Hauptstadt der Sette Comuni, zuwenden.
Morgens 6 Uhr verließen wir Lusern und gelangten zunächst nach den großen, kräuterreichen Vezzenaalpen (1300—1500 m). Dieselben, ungefähr 40 an der Zahl, bestehen aus untereinander abgegrenzten Almen, die von Levico, Lavarone, Lusern, Calceranica, Caldonazzo an meist italienische Pächter vergeben werden. Die meisten der Almen liegen in muldenartigen Vertiefungen, die von mäßigen Berghöhen umsäumt sind. Unten an den tiefstgelegenen Stellen befinden sich Wasserlachen zur Tränke des Viehes. Auf jede Alm kommen durchschnittlich 200 Rinder. Dieselben steigen aus der italienischen Poebene herauf, um von Mitte Juni bis Ende September oben zu weiden. Verschiedene Sennhütten, Fichten- und Tannenwaldungen reihen sich zwischen die einzelnen Almen, auf denen in Scharen die kräftigen Rinder weiden, so daß das Ganze sich zu einem hübschen Bild Tiroler Land- und Hirtenlebens vereinigt. Zur Melkezeit wird das Vieh jeder Alm von 5 bis 6 Männern in Hürden getrieben und gemolken, die Milch wird dann in die Käserei geschafft.
Der Ertrag dieser Pacht bildet für manche Gemeinde eine große Einnahmequelle; so bekommt Levico in runder Summe 30000 fl., Lafraun 5000 fl. und Lusern 1000 fl. Pachtzins.
Zu jeder Alm gehören ungefähr 10 Hirten, die 50—60 Lire erhalten, wegegen der Lohn der Senner, die die Käserei versehen, 100 Lire beträgt.
Am 26. Juli (Annatag) wird die Mich der meisten Kühe gewogen,