Einleitung.
B ei der Prüfung kolonialer Verhältnisse, politischer sowohl wie wirtschaftlicher, ist es, um nicht zu Trugschlüssen zu gelangen, angezeigt, sich von den eingewurzelten Anschauungen und Prinzipien, welche man der Betrachtung europäischer Zustände zu Grunde zu legen pflegt, freizumachen. Die Kolonien stellen besonders in den Anfangsstadien ihrer Entwicklung den Wirtschaftspolitiker vor neue und ungewohnte Probleme, welche in den heimischen Verhältnissen keine Analogie finden.
Sie können, bis es der Kolonialwissenschaft gelingt, durch Aufstellung scharf umrissener Lehrsätze die richtigen Wege zu weisen, nur auf historisch-empirischem Wege, also mit Beiziehung der modernen vergleichenden Kolonialgeschichte gelöst werden.
Während in den alten Kulturländ ern das Wirtschaftsleben auf konsolidierter Grundlage beruht, und die durch veränderte Anschauungen oder Verschiebungen im Wirtschaftssystem notwendig gewordenen Reformen sich bei den gefestigten Grundformen gleichsam automatisch vollziehen, herrscht in jungen Kolonien ein Zustand der Gärung. Die Entwicklung befindet sich andauernd im Fluß, und die Richtung, welche sie nach den gegebenen, durch geographische Lage, Bodenbeschaffenheit und Klima bestimmten Bedingungen zu nehmen hat, tritt erst allmählich klar in die Erscheinung.
Wie die Geschichte aller kolonialen Gründung lehrt, ist das Wirtschaftsleben der Kolonien bei Beginn mehr oder minder heftigen Erschütterungen ausgesetzt, welche die Entwicklung oft nachhaltig gefährden. Durch mannig-