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sechstes Kapitel
vi-. Emin Paschas Expedition — Begründung deutscher Stationen im Seengebiet
Nachdem Stanley die erste Kunde vom Vorhandensein der großen Seen im zentralen Afrika nach Europa gebracht hatte, rüstete sich sofort die englische wie die katholische Mission, und schon wenige Jahre darauf waren am Viktoriasee im Norden und Süden Missionsstationen entstanden, die besonders in Uganda überraschende Erfolge auszuweisen hatten. Erst im Frühjahr 1890, nachdem durch Wissmann der Araberaufstand niedergeschlagen war, wurde von Seiten des Deutschen Reiches der Anfang gemacht, die Gegenden um den Viktoria-Nyansa, wie zwischen dein Viktoriasee und dem Tanganyika der deutschen Herrschaft Unterthan zu machen. Emin Pascha wurde vom Reichskommissar Wissmann mit einer großen Expedition dahin entsandt. Diese Expedition Emins ist, wenn auch die positiven und die politisch aktuellen Erfolge derselben nicht bedeutend waren, grundlegend für unsere Stellung im Seengebiet geworden. Diese Thatsache möge es rechtfertigen, wenn der Verfasser der Person Emins hier einen breiteren Raum gewährt.
Emin Pascha oder mit seinem wirklichen Namen Eduard Schnitzer wurde am 28. März 1840 zu Oppeln als der Sohn jüdischer Eltern geboren und dann evangelisch getauft. Er widmete sich nach Erlangung des Maturitätszeugnisses dem Studium der Medizin bis zum Jahre 1864. Schon im Jahre 1865 fühlte er sich bewogen, einen Dienst in der Türkei zu suchen. Wesentliche Erleichterung gewährte ihm hier sein außerordentliches Sprachtalent. Es ermöglichte ihm, in wenigen Monaten die Landessprache und das Italienische zu erlernen, so daß er bald als Dolmetscher in Tripolis verwandt wurde.