Teil eines Werkes 
1 (1895)
Entstehung
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Brande,lbnrg-Prenszens koloniale Unternehmnngen an der Westküste Afrikas

Bevor wir zur Betrachtung der Kolonien des neu geeinten Deutschen Reiches schreiten, ist es ein Gebot der Pietät, die Blicke über zwei Jahrhunderte zurückzulenken nach dem großen Hohen- zollern auf dem Throne Brandenburgs, nach dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm.

Der Große Kurfürst hatte einen Teil seiner Jugend in Hol­land verbracht und hier die ersten Anregungen zu großen Handels­und kolonialen Unternehmungen erhalten. Er sah von wie großer Bedeutung die Kolonialpolitik für die Holländer war und richtete daher seine eigenen Bestrebungen alsbald während der ersten Jahr­zehnte seiner Regierung auf Hebung des Handels, der Schiffahrt, des Schiffbaues, wie der Industrie, und auf Schaffung einer kur- brandcnburgischen Kriegsmarine.

Trotz der vielen Widersacher, der Feindschaft der Schweden und Spanier und nicht zum wenigsten der Engherzigkeit der eigenen Unterthanen, speziell der in den Seestädten handeltreibenden Kaufleute, deren kleiner Geist den weit ausschauenden Plänen des Großen Kurfürsten nicht zu folgen vermochte, waren seine Bestre­bungen von großen Erfolgen begleitet.

Die brandenbnrgische Marine unter ihrem ersten Admiral, dem um ihre Begründung hochverdienten Holländer Raule, hatte auf dem Meere zum erstenmal die knrbrandenbnrgische Flagge gezeigt und derselben Achtung und Ehre erfochten, außerdem aber auch in prakti- scher Weise fürdie Förderung der heimischen Handelsbeziehungen gesorgt.

Dem im Jahre 1677 nach Westafrika mit fünf Schiffen abge­sandten kurfürstlichen Schiffshauptmann Blonk war es gelungen, an der Pfeffer- und Goldküste Verbindungen anzuknüpfen. Einige Jahre darauf zum zweitenmal nach Westafrika gesandt landete Blonk mit zwei Schiffen am Capo de tres Puntas (Kap der 3 Spitzen) und schloß am 16. Mai 1681 zu Akkada einen Ver­trag mit den drei Negerhänptlingen Pregatte, Sophonge und Apany ab, durch welchen diese sich verpflichteten, nur mit kurfürstlich brandenbnrgischen Schiffen und Leuten zu handeln, den Bau eines Forts zwischen Axim und dem Capo de tres Puntas zu gestatten und Se. Kurfürstliche Durchlaucht Friedrich Wilhelm von Branden­burg als ihren Schutzherrn anzuerkennen, Blonk versprach dagegen wiederzukommen, um den Ban des Forts auszuführen.