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viertes Capitel
Deutsch-Ostafrika in naturwissenschaftlicher Hinsicht
Das gewaltige Gebiet im Osten Afrikas, in welchem seit nunmehr 10 Jahren die deutsche Flagge weht, ist seit einer Reihe von Jahren das Lieblingsgebiet der Forscher und Entdeckungsreisenden gewesen. Die eigentümliche Beobachtung, daß der schwarze Erdteil niemanden wieder losläßt, der einmal in die Tiefen seiner Rätsel einzudringen versucht hat, ist nirgends so sehr zu Tage getreten als gerade in Ostafrika, Eine Reihe der glänzendsten Namen auf dem Gebiete der Entdeckungsreisen bezeichnet ebensoviele Stationen in der Aufhellung geographischer und naturwissenschaftlicher Rätsel, die noch vor einigen Jahrzehnten den Namen „dunkler Kontinent" rechtfertigten.
Schon im grauen Altertum beschäftigten sich die Erdbeschreibungen des Herodot und Ptolemaeus mit den fabelhaften, großen Seen in Jnner-Afrika, mit dem Mondgebirge und insbesondere mit dem Ursprung des Rieseu- stromes, von dessen Steigen und Fallen eines der größten Kulturländer des Altertums seinen Wohlstand und seine Existenzbedingung erhielt, mit dem Ursprung des Nil. Nach einer Jahrtausende langen Ruhe hat die Forschung au diesem Punkte wieder eingesetzt. Die Entschleierung der Gegend, von welcher die Quelladern des Nil nach Norden, des Kongo nach Westen und des Sambesi nach Süden sich ausbreiten sollten, war eine Aufgabe, für deren Lösung die Einsetzung des Lebens nicht zu gering erschien.
Im Jahr 1855 veröffentlichte der deutsche Missionar Erhardt eine Karte, auf welcher er nach langjähriger Thätigkeit in Ostafrika die Resultate seiner bei Karawanen- führern eingezogenen Erkundigungen eintrug. Die Karte erregte ein ungeheures Aufsehen. Die Karawanenführer,