IX. päöagogifche fibhanölungen.
Pistor, P., Die deutschen Kolonien und ihre Würdigung in der Schule. Minden 1907. Alfred Hufelands Verlag'. 0,80 M.
Die Broschüre bildet Heft 34 der „Lehrer-Prüfungs- und Jnformations- arbeiten". Sie enthält: 1. einen auf einem deutschen Lehrertage gehaltenen Vertrag, 2. zehn Musteraufsätze und 3. eine Aufzählung von kolonialen Schriften, die Verfasser dem Lehrer zum Studium empfiehlt.
Bemerkungen: Zu Punkt 1. Die Ausführungen sind eingehend und zutreffend und betonen besonders die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Entwickelung unserer Schutzgebiete.
Zu Punkt 2. Stoff und Fassung der Aufsätze sind so gehalten, daß sie nur zum geringeren Teile für Volksschulen passend sind. Themata, wie „Kolonialpolitik und Eingeborene" sind zu hoch, selbst für höhere Schulen. Der sachliche Inhalt der „Muster"-Aufsätze ist vielfach verbesserungsbedürftig. Ein „Britisch-Togo" gibt es nicht. Groß-Friedrichsburg lag nicht auf dem Kap der drei Spitzen: die Beschreibung ist wohl an der Hand der bekannten Phantasie-Abbildung gemacht worden. Groß-Friedrichsburg war auch nicht der einzige koloniale Erwerb des Großen Kurfürsten. Die Angabe, daß die Neger in „hellen" Haufen davon gelaufen seien, ist ungewollter Scherz. — Lüderitz hat Angra Pequena nicht 1882, sondern 1883 erworben. Die Angabe, daß Franzosen und Engländer sich vereinigten, um den Handel Südwestasrikas durch Zölle unmöglich zu machen, entspricht nicht den geschichtlichen Tatsachen und Möglichkeiten. Zu behaupten, das jetzige englische Ostafrika sei deutsch gewesen, ist unzutreffend; demnach ist auch die Augabe hinfällig, unsere jetzigen Kolonien umfaßten nur Vs des früheren Umfanges. Die Karolinen kamen erst 1899 und nicht schon 1885 an Deutschland. Daß man eine Eingeborenensprache in wenigen Monaten erlernen könne, kann nur jemand behaupten, der nie eine Eingeborenensprache studiert hat usw.
Zu Punkt 3. Kennt Verfasser nur eine so geringe Zahl von kolonialen Werken? Sind die genannten durchweg empfehlenswert?
Druckfehler sind z. B. Nachtigall und Cap Bianca.
Clemenz, B., Kolonialidee und Schule. Langensalza. Hermann Beyer L Söhne. 0,60 M.
Nr. 296 des „Pädagogischen Magazins". Clemenz beantwortet die Frage: Welche Bedeutung haben die deutschen Kolonialbestrebungen für das Vaterland, und in welcher Weise sind diese Bestrebungen auch in der Volksschule zu fördern? Besonders betont er dabei, daß auf die wirtschaft-