Was wir wollen.
Unsere Kolonialliteratur, soweit sie gemeinverständlich sein will, ist der Hauptsache nach erst seit einigen Jahren sachlich ernst zu nehmen. Noch vor zehn Jahren war die Literatur über die Erforschung der deutschen Kolonien so lückenhaft, daß es überaus schwierig, ja fast unmöglich war, weiteren Kreisen einen allgemeinen Überblick über die Natur und Wirtschaft unserer überseeischen Besitzungen zu bieten. Es ist darum kein Wunder, daß die Kolonialbücher, die in den Schul- und Volksbibliotheken stehen, oder vielfach in der Hand des Publikums sich befinden, zum großen Teil heute völlig unbrauchbar, ja sogar schädlich sind, weil sie dem Leser Schilderungen unserer Kolonien bieten, die den Tatsachen nicht entsprechen. Und wie mancher Lehrer mag beim Geographieunterricht sein Wissen aus Darstellungen schöpfen, über die ein Kenner lächeln würde.
Anderseits aber gehört heutzutage ein gewisser Grad von kolonialem Wissen zur allgemeinen Bildung und ist namentlich aus nationalen Gründen für das heranwachsende Geschlecht notwendig. Statt die Jugend nach Jndianerschmökern und dergleichen greifen zu lassen, sollte heute jeder gewissenhafte Vater, Lehrer oder Bibliothekar bei der Anschaffung und Auswahl geeigneter Lektüre die deutschen Kolonien ganz besonders berücksichtigen, denn ihre Erforschung und Erschließung bietet genug des Abenteuerlichen und Interessanten. Leider steht der Bibliothekar wie der Buchhändler in den meisten Fällen der Nachfrage nach kolonialen Büchern ratlos gegenüber. Jede andere Art von Literatur kann er schon nach dem Namen des Autors zur Not beurteilen, auch wenn er den Inhalt der einzelnen Bücher nicht kennt. Auf dem Gebiet der volkstümlichen Kolonialliteratur gibt es noch wenig bekannte Namen, und selten verfügt der Bibliothekar, Lehrer und Buchhändler über so viel Kenntnis der kolonialen Verhältnisse, daß er beurteilen kann, ob ein Buch sachlich einwandfrei ist oder nicht. Es gibt in der deutschen Kolonialliteratur neben viel Spreu auch Hunderte von guten Büchern, die weiteren Kreisen völlig unbekannt geblieben sind. Sie der Ver-