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Der Kolonialfreund : kritischer Führer durch die volkstümliche dt. Kolonial-Literatur / hrsg. von Emil Sembritzki unter Mitw. von E. Buchmann und Rudolf Wagner
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VIII. Rolonialkunüe.

(Aeschreibungeu der deutsche« Kolouieu.)

Was auf dem Gebiet der Kolonialdarstellungen existiert, kann auf sachliche Richtigkeit und Brauchbarkeit nach heutigen Begriffen nur Anspruch machen, wenn es etwa nach 1906 erschienen ist. Erst seit dieser Zeit ist die Kenntnis von Land und Leuten in unseren Kolonien und der Kolonialwirtschaft so weit fortgeschritten, daß es möglich ist, eine einigermaßen abgerundete Kolonialkunde zu bieten.

Völlig veraltete Kolonialkunden sind die von Jung 1885, Klaus 1886, Knothe 1888, Schanz (Kol. Handbüchlein) 1889, Bolz 1891, Partsch 1893, Frenzel u. Wende 1893, Heßler (Kurze Landeskunde) 1898, Burmann (Was müssen wir von unsern Kolonien wissen?) 1900, Tschauder 1900.

Heßler, C., Die deutschen Kolonien. s1896ZBeschreibung von Land und Leuten unserer auswärtigen Besitzungen". Leipzig 1897. Georg Lang. 3,50 M. 7. Aufl. 1908: 4,M.

Probe ausKamerun": Kamerun umfaßt die Küstenstrecke von Rio del Rey bis zum Kampoflusse. (1897!) Nach den letzten (!) Verträgen dehnt es sich bis zumTsadsee aus. Es grenzt...an dieNegerreicheSokoto und Bornu. Die Bucht wird sehr zahlreich von den Krabben bewohnt. Das Kamerungebirge grenzt an das Meer und den Mungosluß. Mongo-ma- Loba heißt Berg des Donnerers. Die Lawaströme sind mit Farnkräu­tern bewachsen. Nur Büschelgras und vereinzeltes Gesträuch bedeckt die Lawa. Von 2200 in an herrscht nur Strauchwerk und Grasland. Auf dem sanft ansteigenden Plateau beginnen kahle Lawafelder und Aschen- decken. Die tiefe Ruhe wird nur zuweilen durch das Geschrei eines Adlers unterbrochen. Die Lawaströme erstrecken sich über die Abhänge bis in die Palmen-, Akazien- und Eichenwälder herab. Die fruchtbaren Abhänge »des Gebirges werden von den hellfarbigen Bakwiri zum Anbau von Bananen und Kokospalmen benutzt. Die Siedelungen reichen nicht über 1000 in hinaus; jedoch ist das Gebirge nach der Engländerin Kingsley bis 2300 in bewohnt. Der Abstieg Zöllers vom Gipfel des Gebirges dauerte 3 Tage. Loando ist die fernste Ansiedelung am Gebirge. Fernando Poo ist gewissermaßen die Fortsetzung des Kamerungebirges; würde letzteres vom Meere umspült, so erhielte es wahrscheinlich eine ähnliche Gestalt wie Fernando Poo. Bis nach König Bells Stadt bilden die Ufer Man-