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Die deutschen Kolonien in Transkaukasien / von Paul Hoffmann
Entstehung
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Der geerntete Wein konnte unverschnitten nicht getrunken werden, durch Mischung mit Obstmost wurde er erst trinkbar gemacht. 95 ) Obstmost war fast gar nicht zu haben, die für ihn gezahlten Preise waren derartig, dass nur die Wohlhabenderen sich den Genuss eines ganz geringen Quantums dieses National­getränks gönnen konnten. 96 )

Die württembergische Bevölkerung war in einer trostlosen Verfassung. Da wurde ihr Bleiben nicht abhängig gemacht von Wiedereinführung des alten Gesangbuches oder der alten Lithur- gie, da strömten die Menschen hinaus, um ihre Existenz zu retten. Es war nicht die geeignete Zeit füreine christliche Kolonisation", für einenAuszug der Auserwählten". Dazu hätten ruhigere Zeiten abgewartet werden müssen. Von diesem Standpunkte ist das Ver­halten der Auswanderer vor und während ihrer Ansiedelung zu betrachten. Wenn dann noch jemand zu der Annahme be­rechtigt zu sein glaubt, dass die Kolonisten in religiöser Beziehung nicht das gehalten haben, was sie bei ihrem Abzüge zu versprechen schienen, so mag das auf den stereotypen Phrasenschwall der separatistischen Anführer, wie der bigotten Frau von Krüdener zurückzuführen sein, mit dem diese ihren Handlungen einen mystischen und religiösen Anstrich zu geben stets bemüht waren.

2. Die Auswanderung nach Transkaukasien und die dortige Ansiedelung. 1 )

Im Spätsommer 1816 bildeten sich die ersten Auswanderungs- kolcnnen, der während des Jahres 1817 dann weitere folgten.

9 5) Württemberg. Jahrbuch 1818, S. 9 ff.

96 ) Bei der Bedeutung, welche der Mostkonsum in Württemberg hat, ist anzunehmen, dass die völlige Missernte in Obst vielen Württcmbergern den Abschied von ihrer Heimat erleichtert hat. Obgleich heute schon das Bier in Württemberg die Konkurrenz mit dem Most aufgenommen hat, so ist doch heute noch sein Konsum ein ganz bedeutender. Selbst in Städten gibt es jetzt noch Mostschänken, Kneipen, in denen aus­schliesslich Most verschänkt wird. In Württemberg war der Most früher fast allgemein der Haustrank. Ich möchte glauben, dass es genügt, in einer Bevölkerung, welche sich an ein bestimmtes Getränk gewöhnt hat, sei es Bier in München oder Wein in der Rheingegend, eine Bewegung hervorzurufen und vielen den Abschied von der Heimat zu erleichtern, sobald durch irgend welche Zufälle für ein Jahr der Ausschank des Nationalgetränkes eingestellt wird oder wenn dessen Preis um das 20- bis 30 fache gesteigert werden müsste.

1) Nach Schrenks Ausführungen.

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