Vorwort.
Zum ersten Male besuchte ich 1898, kurz nachdem ich die landwirtschaftliche Hochschule in Berlin absolviert hatte, in Gesellschaft von Studienfreunden Kaukasien. Unsere Reise sollte zunächst eine Vergnügungsreise sein, doch fesselte uns sehr bald die Eigenart der kaukasischen Landwirtschaft.
Zufällig stiessen wir in Kaukasien auf deutsche Kolonisten, und zu ihnen führte mich 1900 meine nächste Reise. Ich besuchte diesmal speziell die deutschen Kolonien und nicht andere Gegenden Transkaukasiens, weil mir die Kolonisten dort am weitesten in der Landwirtschaft vorgeschritten erschienen, und da ich mich mit ihnen am besten verständigen konnte.
Mir stand für die ganze Reise kauml ein Vierteljahr und ein dementsprechender Reisefonds zur Verfügung, ich musste daher meine Erhebungen, die ich noch gern mindestens auf den bekannten Weinbaudistrikt Kachetien ausgedehnt hätte, leider auf die Kolonien beschränken.
Nach meinem ersten Besuche in Kaukasien glaubte ich, dass die Einführung einiger landwirtschaftlicher Nebenbetriebe und die einer zweckmässigen Fruchtfolge zunächst genügen würden, um die Lage der transkaukasischen Landwirtschaft aufs rosigste zu gestalten. Ich sah aber bald, ate ich gründlichere Erhebungen anstellte, dass der kaukasischen, Bevölkerung durch ganz besondere Verhältnisse vielfach die Hände gebunden sind. Wenn ich die Wichtigkeit der Nebenbetriebe und die der Fruchtfolge auch heute noch anerkenne, so treten diese doch in den transkaukasischen Kolonien zunächst gegen manche andere Fragen in den Hintergrund. Wichtiger für die Kolonien ist ein Verbot der Wirtschaftsteilungen, Höhe und Verteilung der Abgaben, Regelung der Kreditverhältnisse, Beschaffung von Bewässerungswasser, Ein-
— vii —