Die Tierwelt von Neu Guinea
Wer den Urwald von Neu Guinea zu verschiedenen Tageszeiten durchschreitet, wird von dem Leben und Treiben, das in demselben herrscht, einen sehr verschiedenen Eindruck haben.
Noch vor Tagesanbruch erhebt das Buschhuhn seinen pfeifenden Ruf und bald ist der ganze Wald ein Durcheinander von unzähligen Vogelstimmen.
Sobald sich jedoch die Sonne mehr dem Mittag nähert ■— schon gegen 10 Uhr — verstummt alles, wie ausgestorben ist der Wald, nur hin und wieder fliegt eine aufgescheuchte Taube über den schmalen Pfad. Erst in der letzten Tagesstunde — zwischen 5 und (5 Uhr nachmittags wird es wieder etwas bewegter.
Was in dem Gesamtbilde absolut fehlt, sind Säugetiere; wohl hat Neu Guinea davon ein Wildschwein, einige Arten kleiner Känguruhs und nicht zahlreiche Exemplare kleinerer oder grösserer Beutelratten, aber alle diese Yierfüssler sind seltener und scheu, sodass sie der schwerfällige Europäer nur selten in der Freiheit wird zu sehen bekommen. Für Jagdliebhaber ist also Neu Guinea kein Feld der Bethätigung, denn auch das Federwild ist nach heimischen Begriffen nur in einigen Arten als jagdbares zu bezeichnen.
König der Neu Guinea-Wälder an Grösse ist der Kasuar in verschiedenen, für den Laien kaum wesentlich unterschiedenen Variationen.
Weithin durch die Wälder schallt der dumpfe, trommelnde Ruf dieses an den Strauss erinnernden schwarzen Laufvogels. Sein Gefieder besteht aus schmalen, geschlossenen, straffen Federn, deren tiefes Schwarz durch reichlichen Schmutz einen Stich ins Braune bekommt, das auch in verschiedenen schmutzigen doch helleren Schattierungen die Farbe des Jugendkleides ist. Wunderbar aus diesen dunklen Tönen sticht der namentlich in der Balzzeit lebhaft gefärbte lange Hals mit dem helmgekrönten kleinen Kopfe ab, der in blau, rot, orange und grün schattiert ist.
So scheu der Vogel im allgemeinen ist, so wenig verschmäht er es — in die Enge getrieben oder angeschossen — den Menschen anzunehmen und er ist bei den Eingeborenen in solchen Situationen sehr gefürchtet. Nicht nur, dass er durch den Schlag seiner Läufe Bäume in der Stärke eines Handgelenkes zu knicken vermag, auch die lange, spitze Mittelkralle versteht er nach Aussagen der Eingeborenen meisterhaft als Schlitzmesser zu verwenden, mit dem er instinktiv die Weichteile seiner Feinde angreift. Das Fleisch ist bei Farbigen wie Europäern geschätzt, wenngleich es für die Kau-