— 27 —
— die oft eine Höhe annimmt, vor der man liier schaudern würde •— bald wieder fallen und der erste Fieberanfall ist vorbei : man nimmt noch seine Dosis Chinin und passt auf, in welchem Zeitraum der Anfall wiederkommt. Die Neu Guinea-Fieber setzen fast genau immer an demselben Tage ein. Perioden von 14—20 Tagen sind meist üblich, und man kann mit einer möglichst regelmässigen Wiederkehr nur zufrieden sein, da man sich nach einem Anfall bedeutend wohler fühlt. Diese Fieber werden sein' selten gefährlich werden, schwerer fallen dagegen diejenigen aus, die unregelmässig werden; dann kommen oft mehrere Tage hintereinander oder aucli ganze Wochen Anfälle, die den Körper ungemein schwächen und leicht zu anderen Komplikationen führen.
In jedem Falle — auch nach den günstigsten Fiebern — wird selbst der nervös werden, der über Bindfaden-Nerven verfügt; damit ist auch das eine Symptom des Tropenkollers gegeben.
Sollte es dem G-eheimrat Koch oder den anderen Ärzten, welche jetzt einem sicheren Fiebermittel auf der Spur zu sein denken, wirklich gelingen, diesen Feind, dem alle Kolonialvölker bisher ihren hohen, unerbittlichen Tribut zahlen mussten, in Schach zu setzen, so wäre das für Neu Guinea mehr wert, als wenn die Bismarck-Berge Gold in Schiffsladungen lieferten.
Bisherige deutsche Koloiiialarbeiten.
Man hatte für den deutschen Besitz in der Südsee die Verwaltungsform der ehemaligen Britisch-Ostindischen Compagnie gewählt, d. h. man hatte das Land einer Gruppe von sehr reichen Leuten zu eigen gegeben, und diese konnte, soweit nicht schon gewisse Territorien in festen Händen waren, mit dem Lande machen, was sie wollte; allerdings stand die Neu Guinea-Compagnie unter der Aufsicht des Reichskanzlers, aber auf der andern Seite wurde der so ermöglichte Eingriff der Regierung dadurch paralysiert, dass diu Chefs der Gesellschaft zu den Börsenkönigen gehörten, die man aus Gründen der andern und wichtigeren Politik mit gewissen Rücksichten behandeln musste.
Irgendwo findet sich das Bekenntnis, dass das Vorgehen dieser Finanzgruppe zur Erwerbung der Kolonie nicht von reinem Patriotismus getragen wurde, sondern dass eine Anregung von oben her den Anstoss gab, und ebenso liegt eine Äusserung vor, dass man keineswegs glaubte, Opfer bringen zu müssen, sondern im Fluge Millionen zu erobern hoffte.