Anlage 4.
Sonderburg, den 12. Juni 1892.
Bericht des Major A. von Francois
über die
Regelung der Machtverhältnisse in Südwest-Afrika.
Südwest-Afrika ist eine Kolonie für deutsche Viehzüchter. Damit es dies wird, ist es nötig, das ganze Land zum Kronland zu machen. Die jetzigen eingeborenen Besitzer müssen, ebenso wie dies in der Kapkolonie und in den Vereinigten Staaten geschehen ist, zunächst zu der Ueberzeugung gebracht werden, dass sie sich allen unseren Anordnungen fügen müssen. Demnach müssen sie allmählich verdrängt und in dienende und abhängige Stellungen, die allein für sie geeignet sind, gebracht werden.
Möglich ist es, dass die Eingeborenen sich unseren Anordnungen zunächst ohne Kampf fügen. Dazu würde aber eine Machtentfaltung nötig sein, die den Herero und Hottentotten imponiert, und die Erhaltung dieser Macht für mehrere Jahre. Auch dann wird die Fügsamkeit nicht vorhalten, wie die Entwicklung der Kapkolonie zeigt. Zweifelhaft ist es ferner, ob die Eingeborenen sich sämtlichen Bedingungen fügen werden, die im Interesse der besiedelten Landesteile gestellt werden müssen. Dies sind: Abtretung des Landes als Kronland, Begnügung mit Reservaten, das Verbot, Kriege untereinander zu führen und zu rauben, das Verbot, in den besiedelten Gebieten Waffen zu tragen und die Abgabe der Hinterladungsgewehre. (Die Kongoakte fordern dies.)
Die Bastards, Bergdamaras und Buschmänner werden sich diesen Anordnungen fügen. Dagegen werden der Witbooistamm der Hottentotten und die Herero Widerstand leisten und ev. Anwendung, von Gewalt nötig machen. Seit längerer Zeit liegen schon Gründe vor, die ein Einschreiten gegen sie bedingen. »Nichtbefolgung unserer Anordnungen, Vergehen an Eigentum und Leben.«
Gleichzeitig- gegen beide Stämme vorzugehen, muss vermieden werden,
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da wir zwischen beide eingekeilt sind. Es würde darauf ankommen, erst den gefährlicheren Witbooistamm und dann die Herero zur Fügsamkeit zu bringen. Zweifellos bleibt uns die Initiative in dieser Hinsicht. Die mutmasslichen Gegner:
Witbooi wird trotz der Verluste, die er in diesem Jahre bei Okahandya und Otjosazu gehabt hat, noch über 600 mit Hinterladern bewaffnete Reiter, etwa 200 Reitochsen und 10 Ochsenwagen haben. Munition und Munitions-