IV.
Die Truppe setzt sich im herrenlosen Gebiete fest.
Januar 1890 bis April 1891.
Der monatelange Aufenthalt im Dezember 1889 und Januar 1890 in Rchoboth und Usib gab mir Gelegenheit, die Aufgaben der Truppe durchzudenken und mich durch Verkehr mit dem Missionar Heidmann und den Rehobother Bürgern über die Stammesfehden unter den Nama, den Rassekrieg zwischen Gelben und Schwarzen zu belehren. Gerade Rehoboth liegt hierfür ausgezeichnet, da hier alle Stämme des Schutzgebietes aneinander stossen. Ausserdem kommen die Bastards bei allen Stämmen herum und Nachrichten von allen Seiten laufen in Rehoboth zusammen, so dass dasselbe eine Universität an Landeskenntnis, aber auch ein Klatschnest allerersten Ranges im Schutzgebiete isl.
Ich beabsichtige nur insoweit auf die Eingeborenenkriege einzugehen, als sie die Politik des Kommissars und der Truppe angeht. Hier brauche ich daher nur kurz anzugeben, dass der gesamte Eindruck, den ich erhielt, der war, dass Krieg und Viehdiebstahl seit Menschengedenken die natürliche Beziehung der Eingeborenenstämme unter einander, wie zwischen den Rassen war. 13er letzte Krieg zwischen Hottentotten und Herero dauerte schon seit 1880. Aller dings lagen zwischen den Kriegszügen lange Pausen, bedingt durch die Erschöpfung des einen oder anderen Teiles an Kriegsmaterial und besonders nach Einführung der Hinterlader an Munition. So hatte H. Witbooi seit April 1886 nichts mehr gegen die Herero unternommen. Dagegen hatten die Herero Ende November 1 889 in Abwesenheit Hendriks, der mit Willem Christian, dem Bondelzwarthäuptlinge, das Eigentum der Veldschoendraeger in Keetmannshoop teilte, Hoornkranz überfallen und dort, wie mir Witboois erzählten, 2 Männer, 10 Weiber, 14 Kinder und eine grosse Zahl Bergdamaras niedergemacht. Witbooi, in Anspruch genommen durch die Unterwerfung des Namalandes und ohne Munition, konnte nur drohen. Er schickte einen Brief an Maharero, in dem er diesem verkündete, er würde ihn bald aufsuchen, müsse aber noch einmal nach dein Süden, weil ein Weisser ihn sprechen wollte. Aus Besorgnis vor den Herero hatten die Hottentotten einen Teil ihrer Plätze an der Nordgrenze aufgegeben. Umgekehrt hatten die Herero einen noch viel breiteren Streifen Land freigelassen.