III.
Wiederherstellung der deutschen Regierung,
Nichtsthun.
Mai 1889 bis Januar 1890.
Es geschehen immer noch Wunder. Und ein Wunder war es, dass die Wiedereinsetzung der deutschen Regierung gelang, bei den lauen Absichten der heimischen Regierung, der Geringfügigkeit der auf die Herstellung der Kolonialregierung verwandten Mittel, der Zaghaftigkeit des Kapitals, dem in den Windeln liegenden Volksinteresse und den verwirrenden und hetzenden Beeinflussungen durch die Kolonial - Angesessenen und die Presse. Diese Triebfedern der Kolonisierung muss ich unbedingt zuerst der Betrachtung unterziehen, da sonst die Thätigkeit des Kommissars, meine Thätigkcit als Truppenführer und diejenige meiner Truppe nicht recht verständlich sein würden.
Die wesentlichste und festeste Absicht der heimischen Kolonialverwaltung war »abzuwarten«, wie das Interesse des deutschen Volkes an dieser Kolonie sich bethätigen und ob es sich herausstellen würde, dass es lohnte, dieselbe zu behalten. Die britische und Kapregierung, sowie deren Untcrthanen sollten erkennen, dass Südwest-Afrika kein Feld für englische und südafrikanische Besitzergreifung bot. Alle in Südwest-Afrika ansässigen Europäer sollten lernen, unbedingt die deutsche Herrschaft anzuerkennen. Andererseits sollte der Möglichkeit des Behaltens durch Anbahnung geordneter Verhältnisse vorgearbeitet werden. Dagegen sollten die Eingeborehen volle Selbständigkeit in allen eigenen Angelegenheiten haben, eine Einmischung in die Streitigkeiten derselben, besonders in den uralten Rassekrieg zwischen Gelben und Schwarzen, sowie kriegerische Unternehmungen waren durchaus nicht beabsichtigt. Diese Ziele sind unentwegt von der Kolonialregierung festgehalten worden und alle Vorschriften der Jahre 1889, 90, 91 tragen ihren Stempel. Alle Instruktionen schrieben die äusserste Vorsicht den Eingeborenen gegenüber vor und atmeten die grösste Besorgnis vor einem Konflikt mit den Eingeborenen. Wer kann es der Kolonialregierung auch verdenken, dass sie sich für Südwest Afrika nicht schneller erwärmen konnte und abwarten wollte. Einfuhr und Ausfuhr waren denkbarst gering. 1890 betrug in Walfischbay der Werl der gesamten