Anlage 2.
Windhoek, den 15. April 1891.
Plan zum Vorgehen gegen Hendrik Witbooi.
1. Erwägungen.
Die bisherige Haltung von H. Witbooi lässt die Annahme gerechtfertigt erscheinen, dass er gegen die Europäer und die Truppe sich friedlich verhalten wird, so lange nicht direkt feindliche Massregeln gegen ihn ergriffen werden.
Augenblickliche Periode. Erfährt H. Witbooi, dass die Truppe gegen ihn einschreiten soll, .so kann
9
er sich fügen, oder er geht feindlich gegen die Truppe und die Weissen im Lande vor, oder er wartet ab.
Fügen wird er sich voraussichtlich nicht, das widerstrebt seiner Denkungs- weise. Mit seinem Ansehen im eigenen Stamm, seiner Macht im Lande und seiner Wohlhabenheit wäre es dann vorbei.
Entscheidet er sich für angriffsweises Vorgehen, so kommt er in eine ungünstige Lage. Erreichbar für ihn sind nur die Truppe, die Weissen im Herero- und Bastardgebiet. Die Weissen, mit denen er selbst in Verbindung steht, sind, nach seinem eigenen Ausdrucke, seine nährende Amme, die er sich hüten wird, anzutasten. Was soll er ohne Waffen und Munition machen. — Der Truppe kann er leicht Schaden zufügen und das würde er gern, denn sie hindert ihn sehr. Er muss aber befürchten, dass sie dann gegen ihn mit Herero oder Bastards gemeinschaftlich vorgeht. Dies hat ihm schon grosse Besorgnisse eingeflösst, wie aus seinem Briefe an den alten Maharero vom 30. Mai 1890 hervorgeht. — W T endet er sich gegen die W T eissen im Herero- und Bastardgebiet, so kommt er in die noch grössere Gefahr, dass die Truppe, alle Weissen und die Herero oder Bastards sich gegen ihn wenden, und dass er weder Munition noch Pferde etc. bekommt.
Wahrscheinlich wird er also abwarten und die gelassene Frist zu Raubzügen gegen die Herero ausnutzen.
Vorbereitungsperio de.
Wenn Witbooi nicht vorzeitig durch die Zeitungen und seine englischen und sonstigen Freunde Nachrichten zugehen, erfährt er das Eintreffen von Verstärkungsmannschaften für die deutsche Truppe erst, wenn diese von Wal-