V.
Unhaltbarkeit der Zustände im Schutzgebiet
April 1891 bis 12. Mai 1891.
Als wir uns am 3. April 1891 wieder vereint hatten, gewannen wir nach dem Austausch unserer Erfahrungen mehr und mehr die Ueberzeugung, dass die Kriege zwischen den Eingeborenen die Besiedelung in dem herrenlosen Gebiete erschweren würden. Machten die Eingeborenen Frieden, so war kein herrenloses Gebiet vorhanden. Wir standen dann vor der Frage, entweder den Eingeborenen ihr Land abzukaufen oder das uns passende Land besetzt zu halten und Krieg darum zu führen. Kaufverträge halten die südwestafrikanischen Eingeborenen ebensowenig wie Schutzverträge. Es blieb also nichts anderes übrig, als die Okkupation und der Entschluss, es auf einen Krieg ankommen zu lassen. Dass mit Blut erkauftes Land dem Eroberer gehört, das erkennen die mit dem Kriege und seinen Folgen vertrauten südwestafrikanischen Eingeborenen sicher an. Hätte die Truppe nicht die Plätze in dem herrenlosen Gebiet besetzt, so würde Witbooi, nach seinen sieben erfolgreichen Zügen im Winter 1890/91, ganz gewiss das herrenlose Gebiet und vor allem Windhoek, das alte Emporium Jonker-Afrikaners, besetzt haben. Er würde die Herero gezwungen haben, noch weiter wie sie schon gethan, nach Norden auszuweichen. Damit würde der Wohlstand des Schutzgebietes, der allein auf dem Rindviehbestande der Herero beruhte, ganz herunter gegangen sein.
Verblieb die Truppe zwischen Herero und Hottentotten, nachdem diese Frieden geschlossen, so war nicht ausgeschlossen, dass angesichts der geringen Stärke der Truppe einer von beiden Stämmen oder beide Stämme gegen die Truppe vorgingen.
Diese Möglichkeiten veranlassten mich, dem Auswärtigen Amte am 15. April' 1891 eine Denkschrift einzureichen über die Massnahmen, die im Falle eines Krieges gegen Witbooi zu treffen wären. Mit 150 anderen Journalnummern ging dieser Plan mit der Post am 15. April 1891 ab. Ich muss aber noch vorausschicken, dass bei der Aufstellung dieses Berichtes davon ausgegangen wurde, dass der Krieg zwischen Herero und H. Witbooi fortbestand