Vorwort.
Erst der Krieg gegen Witbooi 1893/94 hat endgiltig entschieden, dass das südwestafrikanische Schutzgebiet vom deutschen Reiche behalten werden wird.
Je mehr sich diese Ueberzeugung Bahn brach, desto ruhiger, würdevoller und sachlicher wurde der Ton, mit dem die kolonialfreundliche wie -feindliche Presse die Angelegenheiten des Schutzgebietes besprach.
Wie anders war dies in der langen Periode von der Besitzergreifung des Gebietes 1883 an bis 1893. Da waren auf der einen Seite die Kolonialfreunde, die zum Teil mit fantastischen Plänen in die Oeffentlichkeit traten und denen nicht genug für die Kolonie gethan wurde. Da waren die Landspekulanten und Konzessionsjäger, die von der Regierung die Bestätigung billig erworbener Rechte forderten. Da waren die weissen Kaufleute. Händler und Ansiedler, denen die Truppe —• ihre melkende Kuh — stets zu klein war und die materiellen Nutzen von der Regierung erwarteten durch Lieferungen jeglicher Art, Beförderung von Personen, Gütern etc. Endlich waren da die Missionsfreundc, die die Interessen der eingeborenen Bevölkerung vertraten, gegen jede Einschränkung der Eingeborenen in ihrem Besitz, ihrer persönlichen Freiheit Protest erhoben und energisch den Schutz derselben gegen Friedensstörer verlangten.
Auf der anderen Seite arbeiteten die Kolonialgegner emsig der jungen Kolonie entgegen. Sie sei wertlos und müsse aufgegeben werden, hiess es, jeder Pfennig für das Land sei ein Unrecht am Staate.
Dazwischen stand die Regierung, noch unentschieden, was thun, erwägend und abwartend.
Dass die Regierung sich durch die Fantasiegebilde und die Wahrscheinlichkeitsrechnungen vieler Kolonialfreunde nicht begeistern Hess, dass sie vor allen Dingen kein Geld in die Kolonie steckte und ihren Beamten Abwarten vorschrieb, erregte den Unwillen und die Beschwerden der interessierten Kreise. Nichts stand den Wünschen der interessierten Kreise mehr im Wege, als dieses Abwarten der Regierung und die Nichtaufwendung von Geldmitteln für die Kolonie. Die Stimmen wurden immer lauter, die sich über die Unfähigkeit