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Jahrbuch der bremischen Sammlungen : Jahresberichte des Gewerbemuseums, des Kunstvereins, der Stadtbibliothek
Entstehung
Seite
129
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Die LntxvicKelung der Kunstgewerblichen Sammlungen im )akre 1910

von Karl Schocker

»uher der Kunstwissenschaft, die an den Lehrstühlen der » Universitäten und anderen Hochschulen gepflegt wird, und die in Handbüchern und Abrissen bearbeitet jeder- l man heute zugänglich ist, gibt es noch eine andere. I nicht weniger umfangreiche und interessante; sie besaht 5 sich zwar nicht mit den epochemachenden Meistern und den berühmten Hauptwerken aus der Weltgeschichte der Kunst; aber sie hat den Vorzug, unentbehrlich und praktisch anwendbar zu sein für jeden Sammler und für die Museumsarbeit erst recht - es ist die Geschichte des Kunstgewerbes. Huch an vüchern und orientierenden Nachschlage­werken ist dies weite Feld Kunstgeschichtlichen Wissens viel ärmer als das vielbeschriebene Nachbargebiet. Und als 1910 bezeichnenderweise die erste Geschichte des Kunstgewerbes erschien, in deren Bearbeitung sich berufene Wachmänner nach ihrem besonderen Forschungsgebiete teilten, zeigte sich erst recht, wie viel von den Linzeltatsachen zu wissen noch nötig sein wird, bis z. v. die Geschichte des deutschen Porzellans so ausführlich und gründlich geschrieben werden Kann, wie etwa die Geschichte der attischen Vasenfabrikation an den Universitäten schon lange gelehrt wird. Und doch sind die Ereignisse von der Dresdener Erfindung Vöttgers bis zum Absterben der schöpferischen Kunstbetätigung im Porzellan gewifz ein Ruhmestitel unseres Volkes und als solcher jener blühenden Kera­mischen Kunst des alten Althen wohl vergleichbar.

5lm meisten schwankenden voden betritt der Sammler noch, wenn er sich mit der Geschichte der deutschen FavencefabriKen besaht. Kaum dah von einer einzigen der vielen Manufakturen die archivalischen Tat­sachen, die Formen, Marken und DeKorationsweisen so weit feststehen, dah es möglich wäre, ihre Geschichte lückenlos zu schreiben. Alljährlich fördert der Eifer lokaler Forschung noch neue, bisher unbekannte Fabriken.