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5aden heraussuchen, was nach seiner Meinung selten Schwierigkeiten bereitet. Lei nur in Bruchstücken vorhandenen Sagen will er den möglichen Zusammenhang durch Verflechtung mit Ereignissen der vremer Vorzeit wieder herstellen. Dies sind die (Zrundsätze eines Mannes, der fast zehn ^ahre vor dem Erscheinen dieser Sagen die gelehrte Welt ganz Europas durch eine dreiste Fälschung, durch die von ihm hergestellte griechische Uebersetzung einer erdichteten phönizischen Urgeschichte (I83b), in Bewegung gesetzt hatte. So sehr man auch die Geschicklichkeit dieser Nachahmung bewundern mag, die schöpferische Phantasie und dichterisches (Zestaltungsvermögen erkennen läßt, die 5orm der Veröffentlichung blieb ein bedenkliches Zeichen moralischer Schwäche. Nachdem er in dieser Sache vor aller Welt als Schwindler entlarvt war, durfte er bei einem zweiten Werk nicht nochmals solche Künste probieren. 5Us er daran ging, die bremischen Sagen, oder was er darunter verstand, zu sammeln, ist er vielleicht von den besten Absichten beseelt gewesen, nicht wieder in den Dehler allzu Kühner eigener Phantastereien zu verfallen, tatsächlich hat er einen teil seiner (Zeschichten wirklich im wesentlichen quellengetreu wiedergegeben und, von nicht erheblichen Abstrichen und Zusätzen abgesehen, nur eine sprachliche und stilistische Erneuerung geboten, zu der er vollkommen berechtigt war. lZei einem andern teil seines Materials aber trieb ihn seine dichterische Hder zu selbständigen Neuschöpfungen, und die hierbei angewandte Methode glaubte er in der erwähnten Vorrede rechtfertigen zu müssen. Insofern er hier kür die von ihm vorgenommenen neuen Verknüpfungen und Ergänzungen der Sagen eintritt, sind seine Ausführungen im (Zrunde überflüssig, denn das stecht der Künstlerischen vearbeitung wird ihm von Keiner Seite strittig gemacht werden. Es war nur nötig, den Tatbestand seiner Änderungen Klipp und Klar anzugeben, wozu einige 5uhnoten genügt hätten; er hüllt sich aber in Schweigen und verschüttet so den reinen vrunnen der VolKs- llberlieferung. Wenn er ferner meint, es sei ein Leichtes, unvollkommene Sagenreste durch neue Verbindungen der ursprünglichen 5orm wieder anzunähern, so ist er sehr im Irrtum, denn das ist eine in vielen 5ällen unmögliche, immer aber äußerst schwere Aufgabe, zu der es ihm ganz an dem nötigen vergleichenden Sagenmaterial fehlte. Er spricht schließlich von der Sage, die mit raschen Schritten unseren Mauern enteile, an deren flatterndem Mantel er sich heften will, um für das Kommende (Zeschlecht möglichst viel zu erhaschen. Das sieht so aus, als ob er, wenigstens in erster Linie, den Spuren der sich mündlich fortpflanzenden Sage gefolgt wäre. In Wirklichkeit benutzte er meistens handschriftliche