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Jahrbuch der bremischen Sammlungen : Jahresberichte des Gewerbemuseums, des Kunstvereins, der Stadtbibliothek
Entstehung
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Den äußeren Abschluß dieser durch die (Zesimstsile in ihrer Breite bestimmten Seitenteile bilden wahrscheinlich die beiden erhaltenen Wangen­stücke mit den Koketten, schwanenhalsigen CngelsKöpfen und den an Früchten naschenden Vögeln.

Über den Stilcharakter mich weitläufig zu verbreiten, Kann ich mir wohl angesichts der Abbildungen versagen. Man hat den Eindruck einer besonders liebevollen, ohne handwerksmäßige (Zesellenhände frisch und höchst delikat ausgeführten Arbeit, bei der dem Meister weder in der Erfindung noch in der technischen Ausführung irgendwo der Witz ausging; er ist voller Ideen und von einer prächtigen temperamentvollen Sicherheit im Relief. Wohl sind seine Ideen Allgemeingut der Zeit, die Architekturglieder, die ssratzenköpfe und Sruchtgehänge, die Karvatiden; aber man fühlt doch aus ihnen eine stark persönliche Auffassung. Diese wird am Klarsten in dem Motiv der merkwürdig unarchitektonisch, viel­mehr rein naturalistisch auf die (ZesimsecKen gesetzten Harfenspieler und in ihrer Bewegung. Ein starker I^hvthmus in der Wendung des Kopfes mit dem energisch gebogenen langen Schwanenhals, in den frei pendeln­den Deinen, und ein ebenso energisches Durchbilden der Linzelformen: ein eckiges Umbiegen der Handgelenke, scharfes Herausarbeiten fast bis zur Karikatur akzentuierter Gesichtszüge, mit mächtigen Nasen, Kleinem Kinn und interessant bearbeitetem HaargelocK, eine Vorliebe für sehnig ausgebildete Muskulatur und dementsprechend interessante Kostümzutaten, wie die antikisierenden hohen Schuhe das alles gibt über den Zeit­stil hinaus die persönliche Handschrift eines eigenen Mannes, eines Bildhauers von mehr als dem handwerksmäßigen Können, das z. B. an den meisten der gleichzeitigen Bremer Uruhenplatten herrscht.

Man freut sich, aus der Masse des Mittelgutes einmal einen Kühn draukgehenden Meister hervortauchen zu sehen und ist sofort versucht, ihn persönlich zu fassen. Vielleicht trug ehemals der Orgelprospekt den Namen oder das Meisterzeichen seines Verfertigers; vielleicht gibt es archivalische Aufzeichnungen, die über den Liskerungsvertrag und die Ausführung, über die Persönlichkeit des Meisters, seine Herkunft, seine Beziehungen zu dem Weifenbischof Auskunft geben vielleicht gibt es endlich an andern Orten noch Werke, die uns auf die 5ährte des Meisters und auf die weitere EntwicKelung seiner Kunst und vielleicht auch auf seine Herkunft schließen lassen. Dieser letzte Sedanke erwies sich beim Suchen nach der Persönlichkeit des Meisters als der fruchtbarste.

In Bremen selbst scheint er, so nahe das bei dem großen Bedarf an Orgelschnitzwerk, Epitaphien und bürgerlichem Mobiliar gerade damals