Dichter, Schriftsteller, Schauspieler.
Von Detlev von Liliencron.
Kellinghusen, Holstein, 22. 11. 85.
Sehr geehrter Herr Bulthaupt! Lange schon war es meine Absicht, Ihnen meinen innigsten Dank auszusprechen für Ihre „Dramaturgie der Klassiker". Ich grolle Ihnen nur ein wenig, daß Sie bei Kleist „Penthesilca" kaum erwähnen. Ich halte das wundervolle Drama für ein Meisterwerk. Heute lese ich in Bloch's „Charivari" eine Anzeige von Ihnen, betreffend die Zu- sammenziehnng des 4. und 5. Aktes Ihres Dramas „Eine neue Welt". Gestern las ich in einer keuschen vom Tcigeslürm noch nicht berührten Stunde (5—7 Uhr morgens) Ihr: „Eine neue Welt". Ich habe auch lange nachher noch, das Buch auf den Knieen, gesessen und habe in Erinnerung das herrliche Drama auf mich wirken lassen. Wie gerne wäre ich im Theater gewesen! Aber, selbst Dramatiker (Verzeihung!), hatte ich den Genuß, alles so deutlich bei mir vorüberziehn zu sehn vor meinem innern Auge. Eine wie große Vornehmheit in Sprache und Einteilung. Welches Maß. Der Dialog ist nur in einzelnen Fällen zu ausgedehnt. In der Kritik des „Courier" „berührt es nur quälend, daß Bulthaupt den freiwilligen Tod Marias als überflüssig erscheinen läßt, überflüssig und unnötig deshalb, weil noch vor ihrem Verscheiden ein königlicher Bote eintrifft, durch welchen der Prinz von Asturien die sofortige Haftentlassung seines Freundes Behaim anbefiehlt." .... Gerade die Botschaft des kranken,