Musiker.
Von Johannes Brahms.
Sehr geehrter Herr! Darf ich Sie bitten, mich möglichst freundlich entschuldigen zu wollen. Ich bin der aller- bescheidenste Liebhaber von Konzerten und kann mich doch so schwer ihrer Liebkosungen erwehren. Einem Vereins wie dem Ihren und einem so schönen Zweck gegenüber ist es schwer „Nein" zu sagen — aber Sie begreifen, daß ich dann Anderen gegenüber keine Ausflüchte und Rettung habe. Ich muß dies sagen, so oft und so viel, daß keine Saite mehr klingen will! Und wenn Sie wüßten, wie oft ich gar schweige, so werden Sie gewiß nachsichtig und gütig entschuldigen
Ihren sehr und hochachtungsvoll ergebenen
_ I. Brahms.
Geehrter Herr! Für die Mitteilung Ihres interessanten Gedichtes danke ich bestens. Der Musiker in mir will sich jedoch nicht verführen lassen dadurch. — Über mein unfreundliches Verhältnis zu Konzerten glaube ich Ihnen bereits einmal geschrieben zu haben und bedaure, daß auch ein so sympathischer Verein, wie der Ihre, hierin nichts zu ändern vermag.
Schließlich bitte ich möglichst frdl. zu entschuldigen, daß ich mich zur Beantwortung so freundlicher Briefe noch mahnen lassen muß. Ihr sehr ergebener I. Brahms.
„Äiinstlerverml,"
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