46
machen: rechnet man für jeden Sklaven nur vier Pfund, so ergibt das schon für die geraubten zwölf Keweleute tausend Mark. Ursache, sich über den Sklavenraub zu beklagen, haben die Leute eigentlich garnicht: denn sie selbst kaufen ganz gern anderwärts geraubte Sklaven; wenn die Reihe der Versklavung aber an sie selbst kommt, dann ist der Jammer groß. Die deutsche Verwaltung, die eben den allerersten Schritt inS Innere thut, wird auf die Unterdrückung des Menschenraubes ihr Hauptaugenmerk richten.
Es ist hier, zum näheren Verständnis der gesamten socialen Zustände nöthig, einige genaueren Nachrichten über das Volk der Ewö zu geben.
Fünfter Abschnitt.
Das Volk und seine socialen Zustände. Sitze und Stämme. Aenßeres. Kleidung, Schmnck, Waffen. Haus und Hof, GerLth- Speisen und Getränke. Armnth und Reichthum.
Anglö- und Dahome-Lente. Moral: Trunksucht, Lüge, Diebstahl, Mord, Grausamkeit gegen Thiere; Sittlichkeit, Ehe. Religion: Unsterblichkeit; böse und gute Götter, Götterbilder; heilige Stätten; Priesterschaft. Christliche Mission und Islam. Dichtung und Musik. Stellung der Sklaven und Frauen. Verfassung und Recht.
Die gesamte Bevölkerung des deutschen Gebietes gehört dem EwS-Volke an, welches, in zahlreiche Stämme gespalten, westlich an der Küste, bis über Adda hinaus, östlich bis in die Gegend von Lagos, nach Norden bis jenseit des Gebirges reicht. Vielleicht darf man von dem Namen des Lns-In, das heißt Ews-Gebirge, schließen, dass nicht weit von dort die ethnographische Grenze liegt: bis zum Ewetü, also in ganz Gbßle, wird Ewß gesprochen, weiter westlich, bei Liatl, greift die Sprachgrenze sogar weit über das Gebirge hinaus. Auch die Dahome-Leute, sowie die Anglo gehören dem Ews-Volke an. Die letzteren hatten ihren Sitz ursprünglich an der Nordseite der Quittah-Lagune, sind aber von dort von den Engländern wegen ihrer Räubereien vertrieben und Hausen nun größten- theils im deutschen AdLbe und verstreut, als Geißel der Bevölkerung, '-n anderen Theilen des Gebietes.