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Das deutsche Togogebiet und meine Afrikareise 1887 : mit einer Karte des Togogebietes und des unteren Volta und einer Tafel der Gebirgsprofile / von Ernst Henrici
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und Gin gegeben. Und nun dürfen sie gar tanzen. Schnell ist der Kreis geschloffen, und unter tactmäßigem Klatschen und Singen be­ginnt das Gliederverrenken. Wir schauen eine Weile zu, was die Leute zu noch tollerer Ausgelassenheit anspornt. Endlich um zehn Uhr gebieten wir Ruhe; die Leute breiten ihre Matte am Boden aus und hüllen sich in ihren Mantel. Auch wir legen uns nieder, fest eingehüllt in die wollene Decke; denn die Nacht ist kalt: am Morgen zeigte sich die Minimaltemperatur -j- 16 C. Noch ein vaar Worte, Gedanken ans ferne deutsche Vaterland, eine Gute Nacht, und der Schlaf erquickt uns nach des Tages Hitze. Draußen geht der Posten auf und ab.

Vierter Abschnitt.

Von Dällalve bis Bslü; die Landschaft; nach Kelve-Ga.

Der Häuptling von Dällawe, der alte Pow!, kam schon ir. aller Frühe, um sich für die musterhafte Ordnung zu bedanken, welche unsere Leute gehalten; sie hätten alles gut bezahlt und gute Zucht und Sitte bewiesen. Als es endlich gelungen war, die Träger zum Auf- bruch zu bringen, war es gegen neun Uhr. Wir mussten diesmal schon nachsichtig sein; denn der Marsch des vorhergehenden Tages war inderthat anstrengend gewesen. Nun ging eS durch üppige Palmenpflanzungen, bei Maisfeldern vorbei, nach Sewis, einem kleineren, zu Towe gehörigen Ort, wo man uns mit großem Miss- frauen empfing, vielleicht aus Furcht, vielleicht auch, weil der ganze Ort von dem mürrischen Häuptling angesteckt war. Deshalb gingen wir ohne jeden Aufenthalt weiter und waren schon zur Mittags» - stunde in Bolü Wi. Auch hier fürchteten sich die Einwohner, aber sie nahmen uns sehr freundlich auf. Der Ort liegt ganz im Walde. Kokos, Bananen und Ananas, Mais, Uams, alles war in der Nähe tn Culturen zu finden. Unser Zelt schlugen wir in einem verfallenen Gehöft auf, wo einige noch halb stehende, natürlich dachlose Lehmwände, Reste der Hütten, uns ein sehr behagliches Heim gaben; eine Ecke wurde zur Küche ernannt, eine andere zum Studirzimmer, in einem dritten Bau schlugen wir unser Zelt als Schlafstube und Empfangs­zimmer auf. Denn wir hatten bereits beschlossen, dort zu bleiben, da wir nothwendigerweise noch einige Träger gebrauchten und sonst noch mancherlei für den Weitermarsch zu ordnen hatten. Es war der kürzeste Marsch auf der ganzen Expedition gewesen.